Vulnerable ältere Menschen und deren Angehörige sind oft überfordert mit dem komplexen Gesundheits- und Sozialsystem. Das integrierte Altersvorsorgenetzwerk CareNet+ will durch gezielte und rechtzeitige Unterstützung hier unterstützen. INFRAS und Careum haben untersucht, wie sich das Angebot auf die Gesundheit der Klient:innen und auf die Kosten ausgewirkt hat.
CareNet+ wurde 2016 von ProSenectute des Kantons Zürich als Pilotprojekt im Knonauer Amt lanciert. Es richtet sich an Personen ab 60 Jahren, die sich in komplexen Lebenssituationen befinden und meist mehrere gesundheitliche Einschränkungen haben. In solchen Situationen sind oft verschiedene Leistungen in den Bereichen Medizin, Soziales und Pflege notwendig. Nicht immer sind diese Leistungen jedoch optimal aufeinander abgestimmt.
Hier setzt das Altersversorgungsnetzwerk CareNet+ an: Die Koordinationsstelle von CareNet+ übernimmt in solchen Fällen die professionelle Bedarfsabklärung und koordiniert die Leistungserbringer untereinander. So sollen Qualität und Wirksamkeit in der Altersversorgung verbessert werden.
Positive Wirkung bereits nach der Pilotphase
Bereits nach der Pilotphase (2016-2018) konnten INFRAS und Careum (2018) erste positive Tendenzen von CareNet+ auf die Gesundheit der Klient:innen aufzeigen und ein Kostendämpfungspotenzial identifizieren. Die Resultate basierten jedoch auf einer kleinen Fallbasis.
In einer zweiten Analyse (2019-2020) haben INFRAS und Careum die Wirkungen von CareNet+ gezielt in einem Vorher-/Nachher-Vergleich mit einer grösseren Fallbasis untersucht. Dabei wurden die Verläufe der gesundheitlichen und sozialen Situationen der KlientInnen von CareNet+ über mindestens zwei Zeitpunkte hinweg analysiert.
Positive Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität
In der vertieften Analyse bestätigten sich die positive Wirkung von CareNet+ auf die Lebensqualität und den subjektiven Gesundheitszustand der Klient:innen. Daraus resultierte nicht nur eine Entlastung der Klient:innen, sondern auch von den Angehörigen. Zudem konnte der Versorgungsbedarf der Klient:innen durch CareNet+ beachtlich verbessert werden, v.a. in Bezug auf die finanzielle Situation.
Mittel- bis längerfristige Kosteneinsparungen
In der Wirkungsanalyse wurden auch die Kosten ausgewertet, die den Klient:innen im Zusammenhang mit den beanspruchten Leistungen entstanden. Diese Kosten wurden verglichen mit dem Fall, dass sie CareNet+ nicht in Anspruch genommen hätten. Die detaillierten Analysen der Fallverläufe weisen darauf hin, dass mit CareNet+ ein mittel- bis längerfristiges Sparpotenzial besteht – insbesondere, weil durch die stabilisierten Lebenssituationen der Betroffenen Hospitalisierungen vermieden werden konnten.
Pro vermiedene Hospitalisierung schätzt der Bericht die Ersparnis auf mindestens 4'450 Franken. Zwar generieren die Leistungen von CareNet+ auch Mehrkosten. Diese werden mittel- oder längerfristig jedoch bei anderen Leistungserbringern wie der Spitex oder im Sozialwesen wieder eingespart. Zudem trägt die bessere Koordination zwischen den Leistungserbringern zur Effizienz im Gesundheits- und Sozialwesen bei.
Weitere Informationen:
- Schlussbericht Wirkungsanalyse 2020
- Schlussbericht Evaluation 2018
- Webseite von CareNet+