Die steigenden Kosten im Pflegebereich erhöhen den Druck auf Pflegeheime und Spitex-Organisationen, ihre Leistungen möglichst effizient zu erbringen. Eine Studie von INFRAS im Auftrag von santésuisse gibt Hinweise, wie das gelingen könnte.
Die Ausgaben für die Langzeitpflege in der Schweiz sind zuletzt stark gestiegen. Mehr als fünf Milliarden Franken betrugen die KVG-pflichtigen Pflegekosten im Jahr 2018. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Langzeitpflegekosten bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln werden.
Im Auftrag von santésuisse hat INFRAS untersucht, inwieweit die Effizienz in der Pflege gesteigert werden könnte. Im Fokus der Studie steht die produktive Effizienz: Damit ist gemeint, dass Leistungen – beispielsweise eine Pflegestunde – in bestimmter Qualität zu minimalen Kosten erbracht werden. Die Studie liefert Effizienzindikatoren zur Langzeitpflege in der Schweiz, schätzt Effizienzpotenziale anhand von Benchmarks und beleuchtet beispielhaft besonders effiziente Betriebe.
Kostendifferenzen bei Pflegeheimen und Spitex
Die Datenanalyse zeigt: Bei Pflegeheimen fallen durchschnittlich 122 Franken an KVG-pflichtigen Kosten pro standardisiertem Pflegetag an – bei einer durchschnittlichen Abweichung (Standardabweichung) nach oben und unten von 35 Franken. Bei den Spitex- Organisationen belaufen sich die Betriebskosten auf durchschnittlich 97 Franken pro geleisteter Stunde Pflege und Hauswirtschaft. Die durchschnittliche Abweichung beträgt rund 30 Franken.
Die Gründe für die Kostenunterschiede sind vielfältig und werden in der Studie näher erörtert. Dabei wird deutlich: Gewisse Ursachen für Kostenunterschiede sind nicht zu vermeiden. Dazu zählen beispielsweise die Versorgungspflicht, der Grad der Pflegebedürftigkeit oder die notwendigen Wegdistanzen bei der Spitex.
Gute Chancen auf Optimierung
Gleichwohl lässt ein Benchmarkverfahren darauf schliessen, dass sich in der Langzeitpflege gute Chancen bieten, die Effizienz zu optimieren. Demnach liegt das Effizienzpotenzial bei den Pflegeheimen bei rund 11 bis 18 Prozent, im Bereich der Spitex bei etwa 13 bis 16 Prozent der KVG-pflichtigen Pflegekosten.
Basierend auf der Datenanalyse und den praktischen Erfahrungen ausgewählter Betriebe verdeutlicht die Studie: Bei Pflegeheimen sind die Grösse, bei Spitex-Organisation die Spezialisierung entscheidende Faktoren. Um die Arbeitsproduktivität und Betriebskosten zu verbessern, empfehlen die Studienautorinnen unter anderem Skaleneffekte zu nutzen, die Leistungsportfolios zu überprüfen, die Personalführung in den Einrichtungen zu stärken und Organisationsprozesse zu optimieren.
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