Selbstmanagement-Förderung ist zentral in der Gesundheitsprävention. Sie umfasst alle Massnahmen, um Menschen mit langandauernden Krankheiten und ihre Angehörigen in ihren Selbstmanagement-Kompetenzen zu stärken. Im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz hat INFRAS Angebote zur Selbstmanagementförderung übergreifend evaluiert.
Seit 2018 unterstützt die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz (GFCH) Projekte zur Prävention in der Gesundheitsversorgung (PGV). Mit dem Selbstmanagement ergreifen Menschen mit langandauernden Krankheiten und ihr Umfeld Massnahmen, die ihnen dabei helfen, die täglichen Herausforderungen zu meistern. Selbstmanagement trägt dazu bei, dass Betroffene mit und trotz ihrer Krankheit zu einer besseren Lebensqualität und einer bestmöglichen Gesundheit finden.
Im Auftrag von GFCH hat INFRAS die Förderangebote übergeordnet evaluiert. Ziel der Evaluation war es, Empfehlungen für die weitere Projektförderung und die Umsetzung von Selbstmanagement-Angeboten in der Praxis zu formulieren.
Positive Wirkungen bei Betroffenen und Angehörigen
Die Evaluation der umgesetzten Projekte hält fest: Über 2000 Betroffene in fünf geförderten Projekten berichteten von Änderungen im Lebensstil, und bei über 300 Multiplikator:innen in sechs Projekten wurde eine bessere Befähigung zur Selbstmanagement-Förderung festgestellt.
Dies übersetzt sich in mehreren Projekten gemäss Wirkungsmessungen auch in entsprechende Verhaltensänderungen, eine bessere (gesundheitsbezogene) Lebensqualität, positivere gesundheitliche Outcomes und weniger Rehospitalisierungen.
Verbreitung und Verankerung der Angebote herausfordernd
Für die Projekte ist es vielfach schwierig, Multiplikator:innen, Betroffene und Angehörige zu erreichen. Bei medizinischen Fachpersonen und weiteren Multiplikator:innen sind oft Zeitmangel, Vorbehalte und eine fehlende Sensibilisierung für die Selbstmanagement-Förderung hinderlich. Betroffene sind teilweise gesundheitlich stark eingeschränkt, um die Angebote in Anspruch zu nehmen oder – im Gegenteil – sie verspüren keinen Leidensdruck.
Eine weitere Herausforderung ist die nachhaltige Implementierung und Verbreitung der Angebote. Die schwierige Abrechenbarkeit zeitintensiver Leistungen sowie Konkurrenzdenken potenzieller Zuweisender erschweren den Prozess. Zusätzlich wirken personelle Fluktuation, mangelnde Offenheit und starre Strukturen in Organisationen hemmend. Diese Faktoren beeinträchtigen sowohl die Reichweite als auch die langfristige Etablierung der Massnahmen.
Empfehlungen zur Verbreitung, Wirksamkeit und Verankerung der Projekte
Für die Projektträger:innen leitet die Evaluation u.a. folgende Empfehlungen ab:
- Die Einbindung starker, gut vernetzter Partner:innen und der Aufbau auf bestehenden Angeboten erleichtern den Zugang zu relevanten Multiplikator:innen und Zielgruppen.
- Eine klare Kommunikation des Nutzens, Präsenz in Netzwerken und Veranstaltungen sowie Erfahrungsberichte von Betroffenen, erhöhen die Aufmerksamkeit der Multiplikator:innen.
- Um die Wirksamkeit sicherzustellen und nachzuweisen, ist die konsequente Umsetzung bestehender Prinzipien und Qualitätsstandards im Projekt-Design ein zentraler Erfolgsfaktor.
- Der Nachweis der Wirksamkeit erhöht zudem die Bereitschaft von Multiplikator:innen, Partnerorganisationen und Finanzierungsträger:innen, sich am Projekt zu beteiligen.
- Zur nachhaltigen Verankerung empfiehlt sich eine strukturierte Begleitung mit Massnahmenplänen und Leitlinien.
- Zudem sollten langfristig tragfähige organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen bereits in der Konzeptphase berücksichtigt werden.
Weiter formuliert die Evaluation Empfehlungen an GFCH zu den Rahmenbedingungen der Projektförderung. U.a. sollte GFCH konkretere Vorgaben dazu machen, wie die Wirkungen zum Selbstmanagement gemessen und dokumentiert werden sollen. In Bezug auf die nachhaltige Verankerung sollte GFCH die dazu vorgesehenen Strategien der Projekte auf ihre Zweckmässigkeit hin prüfen.
Methodisch stützt sich der INFRAS-Bericht auf die Analyse von Jahres-, Abschluss- und Evaluationsberichten von 33 geförderten Projekten, welche Selbstmanagement-Förderung umsetzen. Darüber hinaus wurden qualitative Interviews mit Projektleitenden aus zwölf vertieft analysierten Projekten geführt.
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