Wie wird sich der Wirtschaftsstandort Zürich in den kommenden 10 bis 20 Jahren verändern? Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft haben gemeinsam für den Kanton Zürich und mit INFRAS sieben Trends identifiziert, die für die Entwicklung entscheidend sind. Zudem halten sie entsprechende Handlungsmöglichkeiten fest.
Der Kanton Zürich verändert sich laufend. Diese Veränderungen werden durch die grossen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends massgebend mitgeprägt. Im Auftrag des Volkswirtschaftsdepartments (VD) des Kantons Zürich hat ein Panel von Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft gemeinsam mit dem VD des Kantons Zürich unter der Leitung von INFRAS diejenigen Trends identifiziert, welche die Wirtschaftsentwicklung im Kanton Zürich in den nächsten 10 bis 20 Jahren prägen dürften.
Die prägenden Trends im Überblick
Die sieben wesentlichen Trends, welche die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Zürich in den nächsten 10 bis 20 Jahren prägen dürften, sind:
- Klimawandel: Der Klimawandel erfordert Massnahmen, deren Umsetzung wird zur grossen Herausforderung.
- Digitalisierung: Die Digitalisierung geht weiter, insbesondere mit KI-Anwendungen.
- Geopolitik: Die Geopolitik ist und bleibt unvorhersehbar und wird wieder durch Grosskonflikte geprägt.
- Verhältnis Schweiz-EU: Das Verhältnis der Schweiz mit der EU bleibt ein schwieriges.
- Demografie: Das Bevölkerungswachstum und die Alterung fordern Gesellschaft und Wirtschaft.
- Regulierungsdichte: Die Regulierungsdichte nimmt zu, womit der administrative Aufwand steigt.
- Standortwettbewerb: Der Standortwettbewerb wandelt sich vom Steuer- zum Subventionswettbewerb. Industriepolitik und Protektionismus gewinnen an Bedeutung.
Zur Identifikation der Trends wurden breitere delphi-artige Onlinebefragungen sowie ein fokussierter Workshop im World-Cafe-Format durchgeführt.
Von den sieben Trends werden vier als besonders tiefgreifend für den Wirtschaftsstandort angesehen. Die Folgen dieser Trends, die Herausforderungen sowie die Handlungsmöglichkeiten für den Kanton wurden vertieft herausgearbeitet und untersucht – und werden im Folgenden beleuchtet:
Potenzial der Digitalisierung nutzen
Die Digitalisierung hat entscheidenden Einfluss auf viele Bereiche des Wirtschaftsstandorts. Auf dem Arbeitsmarkt verändern sich die Kompetenzanforderungen an die Erwerbstätigen. Zudem bringt die Digitalisierung wesentliche Anpassungen in den Produktions- und Arbeitsprozessen mit sich. Hierdurch erhöht sich insbesondere die (Arbeits-)Produktivität und es entstehen komplett neue Geschäftsmodelle und Geschäftsfelder.
Aus Sicht der Expertinnen und Experten birgt derTrend der Digitalisierung für den Standort Zürich Vorteile. Als Innovationsstandort mit einer lebhaften Start-up-Szene und mit hervorragenden Ausbildung- und Forschungsinstitutionen besteht viel das Potenzial. Die Politik kann hier vor allem unterstützend wirken: mit Stärkung der (berufsbegleitenden) Bildung, Erhalt des flexiblen Arbeitsmarkts, Technologieoffenheit und -neutralität sowie durch eine aktive Digitalisierung der Verwaltung.
Dem Bevölkerungswachstum und der Alterung am Arbeitsmarkt begegnen
Das Bevölkerungswachstums stellt vor allem das gesellschaftliche Zusammenleben vor grosse Herausforderungen. Es kommt zu zunehmenden Nutzungskonflikten, insbesondere im Bereich Wohnen. Gleichzeitig stellt die alternde Gesellschaft den Arbeitsmarkt vor grosse Herausforderungen: Es fehlen Fachkräfte, in den arbeitsintensiven Tätigkeiten im Gesundheits- und Pflegebereich steigt aber gleichzeitig die Nachfrage.
Eine flexible Gestaltung des Arbeitsmarkts sind die wichtigsten Ansatzpunkte für den Kanton, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Dazu gehören auch das Prinzip der Lebensarbeitszeit und Massnahmen zur besseren Ausschöpfung des (inländischen) Arbeitskräftepotenzials.
Sorgfalt bei der Regulierung
Die Folgen der zunehmenden Regulierungsdichte für die Zürcher Wirtschaft sind schwierig abzuschätzen: Regulierung kann sehr vielfältig sein, und sie verfolgt auch immer ein Regulierungsziel. Es bedarf daher immer einer sorgfältigen Abwägung der Vor- und Nachteile. So zielen auch die Handlungsoptionen vor allem darauf ab, dass die nötige Sorgfalt in der Regulierungsgestaltung gewahrt wird.
EU: Kanton soll Spielraum nutzen
Die anhaltende Unsicherheit im Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU hat aus Sicht der Expertinnen und Experten weitreichende Konsequenzen. Insgesamt führt die Unsicherheit zu einem Verlust der Standortattraktivität des Kantons Zürich (und generell der Schweiz). Es werden aber auch neue Chancen angeführt.
Die Handlungsmöglichkeiten für den Kanton sind hier beschränkt. Er sollte aus Sicht der Expertinnen und Experten auf eine nachhaltige Klärung der Verhältnisse drängen. Weiter sollte der Kanton unabhängig davon kontinuierlich eine Stärkung der Standortattraktivität anstreben, vor allem durch Verbesserungen bei den weichen Standortfaktoren.
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