Die Finanzplatz-Initiative will den Schweizer Finanzplatz zu strengeren ökologischen Regeln verpflichten. Zurzeit sammelt ein überparteiliches Komitee mit Unterstützung von Umweltverbänden die Unterschriften. INFRAS nimmt dies zum Anlass, die Initiative und generell Hebel für mehr Nachhaltige Finanzen mit Bereichsleiterin Anik Kohli zu beleuchten.
Die Finanzplatz-Initiative fordert, dass für Finanzmarktteilnehmende wie Banken oder Versicherungen in der Schweiz strengere ökologische Regeln gelten. Klima- und Biodiversitätsziele sollen unterstützt werden, statt sie zu gefährden.
Hinter dem Anliegen steht eine breite politische Allianz: Teil des Initiativkomitees sind u.a. Vertreter:innen der FDP, Mitte, EVP, GLP, SP und Grünen.
Auch INFRAS beschäftigt sich mit der Frage, wie Finanzanlagen nachhaltiger gestaltet werden – und so einen positiven Einfluss auf u.a. ökologische Nachhaltigkeit haben können. Bereichsleiterin Anik Kohli erläutert in einem Interview die Grundidee hinter der Finanzplatz-Initiative und erklärt, inwiefern der Finanzplatz zu mehr Klimaschutz und zur Förderung von Biodiversität beitragen kann.
Anik, was ist der Grundgedanke der Finanzplatzinitiative?
Die Idee ist, dass die Finanzmarktakteure wie Banken, Asset Manager oder Versicherungen, über ihre Investitionen, Kredite oder Versicherungen Aktivitäten im In- und Ausland ermöglichen, die negative Auswirkungen auf die Umwelt haben können. So werden CO2-Emissionen verursacht, die ein Vielfaches höher liegen, als was die Schweiz eigentlich im Inland verursacht. Diese Emissionen oder Umweltwirkungen will die Initiative reduzieren.
Wie will das Initiativkomitee dies erreichen?
Grundsätzlich ist das Anliegen nicht neu. Die Initiative verlangt die Einhaltung von international verabschiedeten Klima- und Biodiversitätszielen. Diese hat auch das Schweizer Parlament ratifiziert. Bestehende Aktivitäten im fossilen Bereich dürfen weiterhin finanziert oder versichert werden. Die Initiative anerkennt damit, dass die Wirtschaft heute noch abhängig von fossilen Energieträgern ist. Aber sie sagt auch: neue, zusätzliche fossile Energiequellen sollten wir nicht mehr erschliessen. Wir müssen wegkommen von Kohle, Erdöl und Erdgas, wenn wir die internationalen Klimaziele erreichen wollen.
Im Initiativtext heisst es, dass die Emissionen entlang der ganzen Wertschöpfungskette berücksichtigt werden sollen. Was heisst das?
Hier geht es darum, dass die Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen nicht nur direkt bei der eigentlichen Produktion oder Kerntätigkeit Emissionen verursachen. Schon indirekt, vorgelagert durch die Vorleistungen aber auch nachgelagert durch den Konsum, entstehen Emissionen. In gewissen Sektoren machen diese Auswirkungen 75 bis 90 Prozent der Gesamtemissionen aus. Es ist zentral, dass wir auch diese indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette berücksichtigen. Ansonsten wird einfach die Auslagerung von gewissen Aktivitäten eines Unternehmens begünstigt.
Das komplette Interview im Videoformat finden Sie hier.
Die Wertschöpfungskette ist auch wichtig bei der Arbeit von INFRAS. Das INFRAS-Team versucht, die Wirkung eines Unternehmens auf Umwelt, Klima und Gesellschaft greifbar zu machen – und da ist dieser Blick auf die Wertschöpfungskette wichtig. Wie messt ihr diesen Impact?
Wir schauen an, welche positiven, aber vor allem negativen Auswirkungen die Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft haben, also zum Beispiel Luftverschmutzung, Lärm usw. Nicht alle diese Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette sind eingepreist, da gibt es ein Marktversagen. Das heisst, am Ende muss die Gemeinschaft diese Kosten tragen. Wenn wir diese externen Kosten analysieren, können wir einen gewissen Vergleich zwischen verschiedene Aktivitäten herstellen, die das gleiche gesellschaftliche Grundbedürfnis wie zum Beispiel Mobilität, Wohnen oder Essen erfüllen.
Wo können Investor:innen ansetzen? Was gibt es den für einfache Grundlegeln auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft?
Da möchte ich vier Aspekte erwähnen: Zunächst kann man bei Investitionen in Aktien schauen, was für Produkte und Dienstleistungen diese Unternehmen überhaupt herstellen. Also den Impact der Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft berücksichtigten.
Das zweite ist Active Ownership. Das heisst, wenn man Aktien hält, dass man aktiv an den Generalversammlungen teilnimmt und abstimmt, oder dass man Fonds auswählt, die das tun. Wichtig bei der Active Ownership ist auch, dass es einen Dialog mit dem Management des Unternehmens gibt – mit dem Ziel, die Nachhaltigkeit zu verbessern. Hierfür gibt es spezialisierte Anbieter.
Ein dritter Aspekt: Den Vergleich wagen. Wenn man Unternehmen vergleicht, dann kann man dies nicht nur innheralb enger Grenzen und innerhalb der Branche tun. Also: zum Beispiel ein Unternehmen nicht nur innerhalb der Flugbranche sondern mit anderen Transportunternehmen vergleichen.
Und schliesslich wichtig ist, dass man auf Transitionsthemen setzt – also wo es eine Entwicklung hin zu weniger Treibhausgasemissionen gibt. Man kann einen Beitrag zur Transition der Wirtschaft leisten, indem man die richtigen Titel auswählt oder die richtigen Produkte und Fonds, die ebenfalls auf Transition setzen.
Sektorspezifisches Know-how von INFRAS
INFRAS bringt einen grossen Erfahrungsschatz in den Bereich Nachhaltige Finanzen, kombiniert mit der langjährigen Erfahrung aus einem breiten Themenspektrum. Individuell zusammengestellte Teams bringen sektorspezifisches Know-how in die Projekte, zum Beispiel zu den Themen Verkehr, Energie, Negativemissionstechnologien, Industrie oder Gebäude.