Aktivitäten von Akteur:innen ausserhalb der Agrarpolitik tragen zur Erreichung der agrarpolitischen Ziele bei. INFRAS hat den Bund dabei unterstützt, rund 80 solche Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette zu bewerten und zu prüfen, wo solche Beiträge wirksam sind.
Die Landwirtschaft beeinflusst zentrale Bereiche der nachhaltigen Entwicklung: Beispiele sind der Klimaschutz, die Biodiversität und eine gesunde und nachhaltige Ernährung. Diese Themen sind auch fest in den agrarpolitischen Zielen verankert. Für einen Grundlagenbericht zum Stand der Zielerreichung in der Land- und Ernährungswirtschaft sollen nicht nur direkte, agrarpolitische Massnahmen berücksichtigt werden, sondern auch weitere Aktivitäten ausserhalb der Agrarpolitik.
Im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) hat INFRAS die Beiträge von Unternehmen, Branchenorganisationen, NGO sowie von eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Verwaltungen untersucht sowie deren potenzielle Wirkung auf die agrarpolitischen Ziele eingeordnet.
Breite Vielfalt an Akteur:innen und Handlungsfeldern
Die Analyse zeigt eine grosse Vielfalt von Akteur:innen, die als Externe zu den agrarpolitischen Zielen beitragen. Ihre Aktivitäten sind sehr unterschiedlich ausgestaltet und setzen an verschiedenen Punkten der Wertschöpfungskette an. Diese Spannweite reicht von Optimierungsmassnahmen in der landwirtschaftlichen Produktion über ökologische Qualitätsprogramme und unternehmerische Netto-Null-Ziele bis hin zur Angebotsgestaltung in Supermärkten.
Fünf besonders relevante Zielbereiche
Untersucht wurden die politisch besonders relevanten agrarpolitischen Zielbereiche mit grossem Potenzial für Beiträge ausserhalb der Agrarpolitik. Diese sind:
- Klima
- Biodiversität
- Nährstoffe
- Nachhaltiger Pflanzenschutz
- Konsum
Bei diesen Zielbereichen wird erwartet, dass selbstverantwortliches Engagement der privaten Akteur:innen sowie der Kantone und Städte einen substanziellen Beitrag leisten können.
«Für die Studie stellte diese Vielfalt auch eine der Herausforderungen dar», sagt Rebeka Furrer vom INFRAS-Projektteam. «Schwierig war zudem zu bewerten, wie gross der Einfluss der Aktivitäten auf die bisherige Entwicklung war.» So wurde die Trendentwicklung in den vergangenen Jahren, bspw. der landwirtschaftlichen THG-Emissionen, nebst agrarpolitischen Massnahmen eben auch durch weitere Aktivitäten beeinflusst. Auch externe Einflussfaktoren, wie die technologische Entwicklung, können den Entwicklungstrend beeinflussen und seien schwer voneinander zu trennen.
Mit dieser Vielschichtigkeit war es nicht möglich, den spezifischen Beitrag von Aktivitäten ausserhalb der Agrarpolitik klar abzugrenzen und quantitativ bewerten, so Furrer.
Die Beurteilung des Zielbeitrags von Externen wurde daher qualitativ durchgeführt. Analysiert wurden dabei Reichweite, Wirksamkeit und zeitliche Entwicklung, und so war es möglich, besonders wirksame Aktivitäten zu identifizieren.
Unterschiedliche Zielbereiche – unterschiedliche Treiber
In den meisten Zielbereichen prägen weiterhin agrarpolitische Massnahmen die Entwicklung, insbesondere bei den Zielbereichen Klima, Nährstoffe und Biodiversität. Gleichzeitig wird deutlich, dass bei anderen Themen – wie der Energieproduktion (ein Unterziel des Zielbereichs Klima) oder dem Konsumverhalten – externe Akteur:innen stärker wirken. Konkrete Beispiele für solche Aktivitäten sind die Förderung von Photovoltaik- und Biomasseanlagen durch das Bundesamt für Energie, Zielvereinbarungen von Verbänden im Bereich der erneuerbaren Energien oder die Sortimentsgestaltung im Detailhandel (z.B. Steigerung des Anteils pflanzlicher Alternativen, mehr Produkte mit Nachhaltigkeitslabels). Diese Aktivitäten adressieren Bereiche, in denen die Agrarpolitik weniger direkt eingreift, und setzen zugleich relevante Impulse für eine nachhaltige Transformation der Landwirtschaft und der Ernährungssysteme.
Wertvolle Beiträge, auch wenn sie den Trend nicht grundlegend ändern
Das Engagement der Akteur:innen ausserhalb der Agrarpolitik unterstützt wichtige Entwicklungen. Die qualitative Bewertung deutet darauf hin, dass sie die übergeordnete Entwicklung bereits heute positiv beeinflussen. Die Beiträge bleiben auch in Zukunft wertvoll und ergänzen das agrarpolitische Instrumentarium sinnvoll. Sie erreichen jedoch nicht die Intensität oder Verbreitung, die erforderlich wäre, um den bestehenden Pfad substanziell zu verändern. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Potenzial vorhanden ist und durch eine breitere Umsetzung weiter gestärkt werden könnte.
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