Das richtige Mass an Investitionen ist gefragt: Die Schweizer Spitäler müssen fit für die Zukunft sein, gleichzeitig sollen sie dabei nicht in einen Investitionswettlauf geraten, der zu Überkapazitäten führen könnte. Für den Bund hat INFRAS vor diesem Hintergrund eine Analyse der geplanten Investitionen durchgeführt.
Die Schweizer Spitäler stehen vor grossen Investitionen. Viele Gebäude stammen aus den 1960er‐Jahren und müssen ersetzt oder modernisiert werden. Gleichzeitig beschleunigt die digitale Transformation den Bedarf an IT‐Systemen und technologischer Erneuerung. Mit dem Ziel, einen Investitionswettlauf zwischen den Spitälern zu erkennen und zu vermeiden und mit Blick auf die Kostendämpfung, wurde der Bundesrat vom Parlament beauftragt, einen entsprechenden Bericht vorzulegen.
Als Grundlage dafür hat INFRAS im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit BAG systematisch die geplanten Investitionen für die Jahre 2024 bis 2044 analysiert. Basis bildete eine Umfrage bei den Spitälern zu vergangenen und zukünftigen Investitionen. Insgesamt haben 68 Spitäler an der Umfrage teilgenommen.
Deutlich steigende Investitionsvolumina
Die INFRAS-Analyse zeigt: Die teilnehmenden Spitäler planen für 2024 bis 2029 kumulierte Investitionen von rund 6 Milliarden Franken. Dies entspricht jährlich etwa einer Milliarde sowie rund 19 Millionen Franken pro Spital. Das sind deutlich mehr als die 8 bis 11 Millionen Franken Investitionen in den Jahren 2014 bis 2023. Als Treiber für diese Entwicklung sehen die betroffenen Akteure die erneuerungsbedürftigen Spitalgebäude und die digitale Transformation.
Digitalisierung gewinnt an Bedeutung
Im Vergleich zu früheren Jahren zeigen sich steigende Tendenzen in allen wesentlichen Anlagekategorien. Der überwiegende Teil der geplanten Investitionen entfällt auf bauliche Infrastruktur. Bis 2044 wird ihr Anteil zwar reduziert, er dominiert aber weiterhin.
Geplante IT‐Investitionen machen im Zeitraum 2024–2029 einen relevanten Anteil aus. Sie konzentrieren sich insbesondere auf Klinikinformationssysteme (KIS) und ERP‐Lösungen. Expert:innen betonen, dass die digitale Transformation dringend notwendig sei und einmalige Investitionen von bis zu 20 Prozent des Gesamtumsatzes eines Spitals erfordern könnte. Die Studie zeigt jedoch, dass nur wenige Spitäler derzeit entsprechende Mittel eingeplant haben. Gleichzeitig treiben Innovationen in Diagnostik und Robotik den technologischen Erneuerungsbedarf weiter an.
Finanzierungsdruck und strukturelle Unterschiede
Die Finanzierung grosser Projekte erfolgt überwiegend über Eigenmittel und den Kapitalmarkt. Elf Kantone unterstützen Spitäler durch Liquiditätshilfen oder Bürgschaften. Die Finanzierung wird jedoch zunehmend schwieriger, was den Konsolidierungsdruck im Spitalwesen verstärken könnte.
Universitätsspitäler und Zentrumsspitäler weisen die höchsten Investitionsvolumina auf, kleinere Spitäler liegen deutlich darunter. Ein klarer Trend zu mehr Investitionen in den ambulanten Bereich zeigt der INFRAS-Bericht zu den Investitionsplänen nicht. Über 80 Prozent der Projekte betreffen sowohl stationäre als auch ambulante Bereiche.
Aufgrund der Untersuchungen kommt der Bundesrat zum Schluss, dass es keine Hinweise für einen Investitionswettlauf zwischen den Spitälern gibt. Daher sieht der Bundesrat im Bereich der Spitalinvestitionen keinen Handlungsbedarf.
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