Gesundheitssystem

Anreiz- und Kontrollmechanismen bei medizinischen Eingriffen

3. September 2021

Die Schweiz hat weltweit mit die höchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf. Im Auftrag der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) hat INFRAS untersucht, welche Faktoren zu unnötigen medizinischen Eingriffen führen und inwieweit Kon­troll­me­cha­nis­men in Spitälern diese verhindern.


Die Untersuchung fokussiert auf die Fachgebiete Urologie, Orthopädie, Kardiologie (Foto: Keystone-SDA).
Die Untersuchung fokussiert auf die Fachgebiete Urologie, Orthopädie, Kardiologie (Foto: Keystone-SDA).

Welche Anreizmechanismen führen zu unnötigen medizinischen Eingriffen, die keinen oder nur geringe Nutzen für PatientInnen haben? Um dieser Frage nachzugehen haben INFRAS und die Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) 36 Führungspersonen von öffentlichen und privaten Kliniken und Spitälern in der Deutsch- und Westschweiz befragt. Im Fokus der Analyse standen die Fachgebiete Urologie, Orthopädie, Kardiologie.

Potenzielle Fehlanreize für unnötige medizinische Eingriffe...

Die Untersuchung gibt Hinweise darauf, dass von bestimmten Strategien und Prozessen in Kliniken potenzielle Fehlanreize für unnötige Eingriffe ausgehen. Dazu zählen etwa vorgegebene Mindestfallzahlen pro Spital oder OperateurIn, Mindestfallzahlen für Zertifizierungen oder die Beschaffung bestimmter Grossgeräte. Ob und inwiefern davon tatsächlich Anreize ausgingen, hänge jedoch wesentlich von der Ausrichtung der Klinik ab, stellt die Studie relativierend fest. Ähnlich fällt das Ergebnis hinsichtlich des Versicherungsstatus der PatientInnen aus: Zwar könnten sich dadurch ebenfalls mögliche Fehlanreize ergeben – dies sei aber nicht der Fall, wenn der Versicherungsstatus beim Behandlungsentscheid nicht bekannt ist oder wegen mengenunabhängiger Entlöhnung kein direkter finanziellen Nutzen erzielt werden könne.

... welche Massnahmen entgegenwirken können

Diverse Massnahmen können unnötigen Eingriffen entgegenwirken: Beispielsweise könnten den StudienautorInnen zufolge Spitäler mit mengenunabhängigen Vergütungssystem und starkem Mehraugenprinzip in der Diagnose- und Indikationsstellung die Anreize für unnötige Eingriffe reduzieren. Weitere Kontrollmechanismen seien standardisierte Prozesse, der Einbezug von PatientInnen in den Behandlungsentscheid sowie Qualitätskontrollen auf Ebene der Spital- und Klinikleitung.

Weitere Informationen

Schlussbericht INFRAS

Link zur Seite mit Schlussbericht EFK

Projektteam

Anna Vettori Bereichsleiterin, Partnerin
Sabine Fries Wissenschaftliche Beraterin
Thomas von Stokar Geschäftsleiter, Partner

Projekt

Untersuchung bei Spitälern zu Anreiz- und Kontrollmechanismen

Laufzeit

2019 - 2020

Themen


Leistungen


Auftraggeber

Eidgenössische Finanzkontrolle

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Kontakt

Anna Vettori Bereichsleiterin, Partnerin