Neue Eisenbahn-Alpentransversale

Von der Strasse auf die Schiene: Verlagerungswirkungen der NEAT

15. November 2019

Mit verschiedenen Massnahmen will der Bundesrat die Verkehrsverlagerung stär­ken. Damit die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) wirkt, soll vor allem der Schienengüterverkehr gefördert werden. INFRAS hat das UVEK dabei unterstützt, die Verlagerungswirkungen der NEAT abzuschätzen und Handlungsbedarf zu iden­ti­fizieren.


Im alpenquerenden Güterverkehr soll die Schiene weiter gestärkt werden. (Foto: Keystone-SDA)
Im alpenquerenden Güterverkehr soll die Schiene weiter gestärkt werden. (Foto: Keystone-SDA)

Mit der Studie «Verkehrsentwicklung im alpenquerenden Güterverkehr infolge Fer­tig­stellung der NEAT» hat INFRAS eine bereits im Jahr 2012 erstellte Arbeit aktualisiert. Die­se nimmt insbesondere Erkenntnisse auf, die nach Inbetriebnahme des Gotthard-Bas­is­tunnels ab 2017 gewonnen wurden. Das Review zeigt: Damit die NEAT (Neue Ei­sen­bahn-Alpentransversale) ihre volle Wirksamkeit erzielen kann, bedarf es weiterer An­stren­gun­gen – insbesondere zur Erhöhung der Produktivität im Schienengüterverkehr. Die Stu­di­energebnisse im Überblick:

  • Die im Jahr 2012 angenommene Fahrzeitreduktion zwischen Basel und Chiasso/Luino in Höhe von 60 Minuten wird sich nicht vollständig realisieren lassen. Im Durchschnitt wird diese Fahrzeitreduktion neu auf 45 Minuten eingestuft.
  • Die Einsatzkonzepte für Lokomotiven mit Fokussierung auf Einfachtraktion werden sich nicht durchgehend realisieren lassen. Die Zugsgewichte befinden sich im Grenz­be­reich zwischen Einfach- und Doppeltraktion, sodass je nach Strecke (Steigungen), Trassenanforderung (Beschleunigung, Geschwindigkeit) und Betriebskonzept (Dop­pel- vs. Einfachtraktion) entsprechend umdisponiert wird.
  • Aus diesen Anpassungen ergeben sich Implikationen für die «Produktion» einer Sen­dung im UKV (unbegleiteter kombinierter Verkehr) durch die Schweiz: Die in den Be­triebskosten abgebildeten Traktionskosten verändern sich, sodass sich die Be­triebs­kosten nicht mehr um 30 Prozent sondern um 20 Prozent reduzieren werden. Die mit den Fahrzeiten verbundenen Personalumläufe beeinflussen die Personalkosten, wel­che nicht mehr um 35 Prozent, sondern um 20 Prozent sinken werden.
  • Das Review zeigt aber auch einen Punkt auf, bei dem die Erwartungen übertroffen wurden: Der Energiebedarf im Basistunnel fällt geringer aus als seinerzeit ein­ge­schätzt. Damit reduzieren sich die Energiekosten (Fahrstrom) zwischen Basel und Chi­as­so/Luino um 15 Prozent statt um nur 10 Prozent.

Die Ergebnisse der aktualisierten Studie bestätigen grundsätzlich die bereits im Jahr 2012 erwarteten Verlagerungseffekte. Allfällige Verschiebungen bei den Pro­duk­ti­vi­täts­effekten – statt minus 10 Prozent neu noch minus 8 Prozent auf der entscheidenden Gesamtrelation im Nord-Süd-Verkehr – werden aus heutiger Sicht keine signifikanten Auswirkungen auf die mit der NEAT angestrebten Verlagerungen im alpenquerenden Güterverkehr haben. Allerdings: Bei der Qualität respektive Zuverlässigkeit sind massive Verbesserungen notwendig. Würde die derzeitige Verspätungssituation nicht abgestellt, dann wären alle genannten NEAT-Effekte umsonst. Die Ursachen für Verspätungen sind vielfältig: grenzüberschreitende Abstimmung der Fahrpläne, Baustellen und deren Pla­nung und Koordination, Personal- und Lokomotivressourcen der Traktionäre, Ka­pa­zi­tä­ten in den Terminals etc.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die NEAT nach wie vor einen bedeutsamen Ver­la­gerungseffekts erwarten lässt: Ohne die NEAT würde sich der kombinierte Verkehr nicht mehr markant weiterentwickeln können und bei ca. 1.1 Mio. Sendungen «gedeckelt» bleiben. Mit der NEAT und bei optimalen Rahmenbedingungen, insbesondere zur Zu­ver­läs­sigkeit, erhöht sich die Sendungsanzahl um ca. 35 Prozent. Gleichzeitig reduziert sich die Fahrtenanzahl im alpenquerenden schweren Strassengüterverkehr um weitere 18 Prozent (ca. 201'000 Fahrten) gegenüber 2018.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Verkehr zum Dossier des Verlagerungsberichts 2017-2019. Dort ist auch die vollständige INFRAS-Studie verlinkt.

Medienbeiträge zur Studie (Auswahl):

  • NZZ (13.11.2019)

Projektteam

Anne Greinus Bereichsleiterin, Partnerin
Lutz Ickert Bereichsleiter, Partner

Projekt

Verkehrsentwicklung im alpenquerenden Güterverkehr infolge Fertigstellung NEAT

Laufzeit

2018

Themen


Leistungen


Auftraggeber

Bundesamt für Verkehr

Kontakt

Lutz Ickert Bereichsleiter, Partner