Dreissig Jahre nach dem NAWU-Report analysiert die Tagung «Wachstum und nachhaltige Entwicklung» (NAWU+30) den Stand der Debatte neu. Er zeigt, wie sich die Sicht auf Wachstum seit den 1970er-Jahren verändert hat – und wo die zentralen Konfliktlinien dreissig Jahre danach bestehen.
Der NAWU-Report von 1978 entstand im Kontext der internationalen Diskussion um die «Grenzen des Wachstums». Er kam zum Schluss, dass dauerhaftes Wirtschaftswachstum strukturell nicht mit ökologischer Tragfähigkeit vereinbar ist, und identifizierte einen systemischen Wachstumszwang der marktwirtschaftlichen Ordnung. Technologischer Fortschritt wurde zwar berücksichtigt, galt jedoch nicht als langfristige Lösung, sondern höchstens als Mittel zur kurzfristigen Entlastung.
Eine Tagung dreissig Jahre danach (NAWU+30) mit NAWU-Mitautoren und INFRAS-Beteiligung greift diese Analyse auf und entwickelt sie weiter. Wachstum wird dabei differenzierter betrachtet und als politisch gestaltbare Grösse verstanden, deren Vereinbarkeit mit nachhaltiger Entwicklung an klare ökologische, soziale und normative Bedingungen geknüpft ist. Empirische Befunde zeigen zwar Fortschritte bei der Entkopplung, diese reichen jedoch – insbesondere im Energie- und Klimabereich – nicht aus. Der Fokus verschiebt sich damit von technischen Potenzialen hin zu politischen Entscheidungen, institutionellen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Wertfragen.