Automatisierung und Sharing

Welche Folgen hat die Digitalisierung in der Mobilität für die Schweizer Volkswirtschaft?

18. November 2021

Zeitgewinn, mehr Komfort und weniger Unfälle - aber auch gesellschaftliche Herausforderungen. INFRAS hat im Auftrag des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung in der Mobilität anhand von drei Szenarien für das Jahr 2060 untersucht.


Mobility Sharing und Automatisierung: Der selbstfahrende Kleinbus Trapizio ist im Zentrum von Neuhausen unterwegs (Foto: Keystone-SDA)
Mobility Sharing und Automatisierung: Der selbstfahrende Kleinbus Trapizio ist im Zentrum von Neuhausen unterwegs (Foto: Keystone-SDA)

Weniger Stau auf den Strassen, das Auto gemeinsam mit Nachbarn nutzen, während der Autofahrt arbeiten oder entspannen: So könnte unsere mobile Zukunft aussehen, vorausgesetzt Mobilität wird noch digitaler. Doch was für Einzelpersonen lukrativ klingt, kann für die gesamte Gesellschaft herausfordernd werden.

Drei Mobilitätsszenarien für das Jahr 2060

Für die Studie «Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung in der Mobilität» hat INFRAS mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt drei Mobilitätsszenarien für das Jahr 2060 erarbeitet. Das ARE schätzte die verkehrlichen Auswirkungen mit den Verkehrsmodellen des Bundes. INFRAS agierte in der Projektleitung, schätzte die mikroökonomischen Auswirkungen und erarbeitete ein makroökonomisches Input Output Modell für die folgenden Szenarien:

  • In Szenario 1 Automatisierung fahren die Fahrzeuge nahezu vollständig autonom. So kann die bisher benötigte Lenkzeit produktiver genutzt und gleichzeitig Stau sowie Unfälle verringert werden. Das Teilen von Ressourcen hat in diesem Szenario keine Bedeutung.
  • In Szenario 2 Sharing teilen Nutzerinnen und Nutzer Fahrzeuge und auch einzelne Fahrten. Menschen ohne Auto erhalten so besseren Zugang zur Mobilität und der Ressourceneinsatz nimmt ab, da bestehende effizienter genutzt werden. Automatisierte Fahrzeuge haben sich nicht durchgesetzt.
  • Das Szenario 3 Servicewelt kombiniert autonome Fahrzeuge und geteilte Mobilität.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen

In allen drei Szenarien führt die Digitalisierung zu einer erhöhten Nachfrage zusätzlicher und längerer Fahrten. Als herausfordernd aus makroökonomischer Sicht sehen die StudienautorInnen insbesondere die Automatisierung: Sie kann zu Arbeitsplatzverlusten im gewerblichen Verkehr, stark steigendem Verkehrsvolumen, steigenden Importen (Fahrzeuge, Treibstoff) und damit sinkender Wertschöpfung führen. Das Szenario Sharing beeinflusst die Beschäftigung und Wertschöpfung hingegen positiv. Werden Fahrzeuge gemeinschaftlich genutzt, können Einzelpersonen Anschaffungskosten sparen. Dadurch kann das Haushaltseinkommen in andere wertschöpfungsintensivere Branchen fliessen.


Ergebnisse der volkswirtschaftlichen Analyse im Vergleich zur Referenz 2060 (Grafik: INFRAS/DLR)
Ergebnisse der volkswirtschaftlichen Analyse im Vergleich zur Referenz 2060 (Grafik: INFRAS/DLR)

Die Empfehlung: Automatisierung ist nur in Kombination mit Sharing sinnvoll

Das Szenario Servicewelt kombiniert automatisierte Fahrzeuge und geteilte Mobilität. Es verbindet damit zwei Quellen von Effizienzsteigerung. Der Bedarf an Beschäftigten - dabei vor allem an Fahrpersonal - nimmt ähnlich ab wie bei reiner Automatisierung. Hier gilt es, in der Lehre und Ausbildung frühzeitig zu reagieren und Chancen in neuen Beschäftigungsfeldern zu nutzen. INFRAS-Projektleiter Martin Peter: «Automatisierung allein bringt mikroökonomisch zwar hohen Zusatznutzen, ist aber volkswirtschaftlich für die Schweiz nicht optimal. In der Kombination mit Sharing ergeben sich Synergien und die Auswirkungen fallen deutlich günstiger aus.»
Die Studie zeigt, es braucht geeignete Rahmenbedingungen von Bund und Kantonen, um die Chancen der hohen Effizienzsteigerung zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Weitere Informationen

Projektteam

Martin Peter Bereichsleiter Wirtschaft und Umwelt, Partner
Anne Greinus Bereichsleiterin, Partnerin
Vanessa Angst Projektleiterin
Caspar Esche Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Projekt

Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung in der Mobilität

Laufzeit

2019 - 2021

Themen


Leistungen


Auftraggeber

Bundesamt für Raumentwicklung ARE

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Kontakt

Martin Peter Bereichsleiter Wirtschaft und Umwelt, Partner