Das elektronische Patientendossier ist ein wichtiger Baustein für ein digital vernetztes Gesundheitswesen. Doch was kostet sein Betrieb die Spitäler und Pflegeheime tatsächlich – und wie steht dieser Aufwand zum heutigen Nutzen? Eine INFRAS-Studie im Auftrag des BAG liefert eine fundierte Grundlage für diese gesundheitspolitisch relevante Frage.
Die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) stellt einen zentralen Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens dar. Den stationären Leistungserbringern entstehen dabei aber Kosten für die Anbindung und den Betrieb. Die Höhe dieser Kosten war bislang nur unzureichend dokumentiert.
Vor diesem Hintergrund hat INFRAS im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) die wiederkehrenden Betriebskosten des EPD in einer Studie systematisch erhoben und analysiert, bereits vorher hatte Ecoplan die Anbindungskosten ermittelt. Damit liegt nun eine wichtige Datengrundlage für die weitere gesundheitspolitische Diskussion vor.
Verhältnis von Aufwand und wahrgenommenem Nutzen ungünstig
Die Ergebnisse zeigen, dass die Anbindung der sationären Leistngserbringer an das EPD in der Schweiz weit fortgeschritten ist. Die tatsächliche Nutzung im klinischen Alltag bleibt aber gering. Ein Grossteil der Leistungserbringer greift im Alltag kaum auf das EPD zurück. Dies ist insbesondere auf die geringe Verbreitung bei Patientinnen und Patienten sowie auf Lücken bei der Einbindung weiterer Akteure zurückzuführen. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse ein derzeit ungünstiges Verhältnis zwischen Aufwand und wahrgenommenem Nutzen.
Unterschiede bei Betriebskosten je nach Leistungserbringer
Die Studie macht deutlich, dass der Betrieb des EPD bei den Leistungserbringern zu wiederkehrenden Kosten führt, die sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen. Den grössten Anteil bilden Gebühren für (Stamm-)Gemeinschaften, worüber Fachpersonen und Einrichtungen ihren EPD-Zugang organisieren, gefolgt vom internen Personalaufwand sowie von IT-Kosten für Wartung und Weiterentwicklung der Schnittstellen.
Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Leistungserbringertypen und Grössenklassen: Spitäler weisen höhere Kosten pro Bett auf als Pflegeheime, während grössere Einrichtungen von Skaleneffekten profitieren und niedrigere Kosten pro Einheit verzeichnen. Die tieferen Kosen bei Pflegeheimen erklären sich vor allem mit tieferen Jahresgebühren für Stammgemeinschaften.
Einordnung im Gesamtkontext der EPD-Kosten
Ein Synthesebericht, an dem INFRAS ebenfalls mitgewirkt hat, hält führt die Ergebnisse der beiden Studien zu den Anbindungs- und Betriebskosten zusammen. Dieser zeigt ein konsistentes Gesamtbild: Die Kosten des EPD sind für die Leistungserbringer im Verhältnis zu ihren Gesamtausgaben moderat. Ihre Beurteilung fällt aber kritsch aus, denn gleichzeitig wird der erwartete Nutzen bislang kaum realisiert. Dies hängt eng mit strukturellen Herausforderungen wie der geringen Verbreitung des EPD, fehlender Interoperabilität und unvollständiger Integration aller Leistungserbringer zusammen.
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