Klimafreundliche und resiliente Gebäude – ganz konkret: Die Schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) engagiert sich seit Jahren für einen emissionsarmen und widerstandsfähigen Gebäudebereich. Eine umfassende Auswertung des Engagements hält Erfahrungen und Learnings aus den Projekten fest. Das Ziel: Künftigen Projekten Wissen zur Verfügung zu stellen.
Der Gebäudesektor spielt eine zentrale Rolle für die Erreichung globaler Klima- und Entwicklungsziele. Vor dem Hintergrund rascher Urbanisierung und wachsender Risiken durch den Klimawandel hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) seit 2008 Projekte zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und zur Stärkung der Resilienz von Gebäuden unterstützt.
Im Auftrag der DEZA hat INFRAS in Zusammenarbeit mit Zoï Environment Network die Erfahrungen aus den Projekten in einer Kapitalisierung gebündelt. INFRAS hat dafür Projektdokumente ausgewertet und Interviews mit Projektumsetzenden geführt.
Breites Projektportfolio entlang zentraler Handlungsfelder
Die DEZA-Unterstützung verfolgt im Gebäudebereich einen ganzheitlichen Ansatz. Sie trägt dazu bei, den Sektor insgesamt klimafreundlich und resilienter zu machen und dabei die Menschen und ihre Lebensgrundlagen ins Zentrum zu stellen.
Entsprechend bewegt sich das Engagement der DEZA entlang verschiedener Themen und Interventionslinien. Die Bandbreite der Themen erstreckt sich über Neubauten, Bestandsgebäude, Baumaterialien sowie Resilienz und Wiederaufbau.
Dabei hat die Unterstützung nicht primär technische Lösungen im Blick: Entlang der Interventionslinien Politik und Gouvernanz, Praxis und Projekte sowie Wissens- und Kapazitätsentwicklung werden vielfältige Ansätze erprobt. Diese reichen von der Entwicklung von Gebäudestandards über Demonstrationsprojekte bis hin zu Aus- und Weiterbildungsaktivitäten. Insgesamt wird in der Kapitalisierung deutlich, dass wirkungsvolle Interventionen häufig mehrere Ebenen gleichzeitig adressieren.
Beispiele zeigen Wirkung in der Praxis
Wie sich Wirkung im Bausektor konkret entfalten kann, zeigen zwei Beispiele aus der Mongolei und aus Indien: Sie verdeutlichen, wie die DEZA mit langfristigen Partnerschaften dazu beiträgt, die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort zu verbessern, Emissionen zu senken, Investitionen auszulösen und Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel in Politik und Praxis zu verankern:
- In der Mongolei hat die DEZA die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude unterstützt. So werden Wärmeverluste reduziert und der Energieverbrauch deutlich gesenkt. Bei Kindergärten zum Beispiel hatten die wärmeren Räume im Winter konkrete, positive gesundheitliche Auswirkungen: krankheitsbedingte Absenzen bei den Kindern sanken um 65 Prozent.
- Mit LC3 unterstützte die DEZA die Entwicklung und Markteinführung eines emissionsärmeren Zements, der die CO2-Emissionen gegenüber herkömmlichem Zement um rund 40 Prozent senken kann. Die Verankerung in Normen in Indien, Europa sowie mehreren Ländern in Lateinamerika und Afrika ebnete den Weg für die breite Anwendung und mobilisierte private Investitionen von rund 180 Millionen Franken bis zum Abschluss des Projekts.
Zentrale Learnings für zukünftige Unterstützung
Die Kapitalisierung der DEZA-Projekte zeigt unter anderem vier zentrale Erkenntnisse für künftige Vorhaben der internationalen Zusammenarbeit im Gebäudesektor:
- Erstens sind Regulierung und Standards entscheidende Hebel, um Märkte in Richtung klimafreundliches und resilientes Bauen zu verändern.
- Zweitens braucht es tragfähige Geschäftsmodelle, damit sich neue Lösungen im Massenmarkt durchsetzen können.
- Drittens muss das Expertenwissen auf den lokalen Kontext angepasst werden, weil klimatische, bauliche und institutionelle Voraussetzungen je nach Land stark variieren.
- Viertens erfordert der Wandel im Gebäudesektor einen langen Atem: Transformation verläuft schrittweise und braucht über Jahre hinweg verlässliche Partnerschaften, politische Unterstützung und kontinuierliche Wissensarbeit.
Diese und weitere im Rahmen der Kapitalisierung identifizierten Learnings können eine Grundlage für die Weiterentwicklung künftiger Programme im Gebäudesektor bilden.
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