Der Kohlenstoffmarkt ist auf Zertifikate angewiesen, die tatsächliche Emissionsminderungen oder CO2-Entnahmen abbilden. Seit 2022 unterstützt INFRAS mehrere Akteure dabei, die Qualität der zugrunde liegenden Methoden zu beurteilen: den Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM), Calyx Global, die Carbon Credit Quality Initiative (CCQI) und Carbon Market Watch.
Die Qualität von CO2-Zertifikaten hängt wesentlich von den angewandten Methoden ab. INFRAS bringt seine Expertise bei Bewertungsrahmen, Zertifikatsbewertungen, Praxistests und Methodenanalysen ein, wie die Beispiele zeigen:
Mitglied im Expertengremium des ICVCM
Der ICVCM will einen globalen Qualitätsstandard für den freiwilligen Kohlenstoffmarkt setzen. INRAS-Bereichsleiter Quirin Oberpriller gehört seit der Gründung 2022 dem Expertengremium an. Dieses entwickelte einen Bewertungsrahmen, der unter anderem Zusätzlichkeit, robuste Quantifizierung und Dauerhaftigkeit berücksichtigt. Auf dieser Grundlage beurteilt Oberpriller Zertifizierungsmethoden mit Schwerpunkt auf verschiedenen Verfahren zur CO2-Entnahme (Carbon Dioxide Removal, CDR) sowie auf Biogasanlagen und effizienten Kochherden.
Bewertungen für Calyx Global
Calyx Global bewertet die Qualität von CO2-Zertifikaten auf Projektebene für Unternehmen und Investoren. Im Expertengremium wirkte Quirin Oberpriller von INFRAS an der Entwicklung der Bewertungsmethodik mit. Sie erfasst Risiken bei Zusätzlichkeit, Quantifizierung, Dauerhaftigkeit, Verlagerungseffekten und Doppelzählungen und führt diese zu einer Gesamtbewertung zusammen. Seither half er, spezifische Bewertungsansätze für Deponiegas, Biogasanlagen, Güllemanagement, Methanemissionen aus dem Reisanbau, ozonabbauende Stoffe und mehrere CDR-Technologien zu entwickeln.
Praxistest für die CCQI
Der Environmental Defense Fund (EDF), der WWF und das Öko-Institut lancierten die Carbon Credit Quality Initiative (CCQI), um die Qualität verschiedener Arten von CO2-Zertifikaten zu vergleichen. 2022 und 2023 testete Quirin Oberpriller den CCQI-Bewertungsansatz anhand konkreter Methoden und leitete den Praxistest zur robusten Quantifizierung. Im Fokus standen Methoden für Deponiegas und Güllemanagement. Die Rückmeldungen flossen in die Weiterentwicklung der CCQI-Methodik ein.
Beurteilungen für Carbon Market Watch
2024 bewertete INFRAS zwei Methodenentwürfe im Rahmen des EU-Zertifizierungsrahmens für CO2-Entnahmen und Carbon Farming (CRCF). Bei Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) sowie Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BioCCS) identifizierten INFRAS und Carbon Limits kritische Punkte bei der Zusätzlichkeit, der Herkunft der Biomasse und der Bilanzierung energiebedingter Emissionen. Bei der langfristigen Speicherung biogenen Kohlenstoffs in Gebäuden zeigten sich sehr kritische Fragen zur Dauerhaftigkeit, zur Bestimmung der Referenzentwicklung, zur Zusätzlichkeit und zur Wirkung auf den atmosphärischen CO2-Gehalt. INFRAS empfahl deshalb, diese Methodik nicht weiterzuentwickeln.
2026 untersuchen INFRAS und das Stockholm Environment Institute im Auftrag von Carbon Market Watch die Qualität von CDR-Zertifikaten im freiwilligen Kohlenstoffmarkt. Die Studie beschreibt Angebot, Nachfrage und Preise und bewertet Fallstudien zu Aufforstung und Wiederaufforstung, Pflanzenkohle sowie Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS) anhand von fünf Qualitätskriterien. Jede Fallstudie umfasst zudem ein Screening gegenüber dem CRCF und dem Mechanismus nach Artikel 6.4. Die Publikation ist für Dezember 2026 vorgesehen.
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