Der Klimawandel wirkt sich nicht auf alle Menschen gleich aus. Für das Bundesamt für Umwelt hat INFRAS analysiert, welche Menschen in der Schweiz gegenüber dem Klimawandel besonders vulnerabel sind und weshalb. Die Ergebnisse liefern Grundlagen für die Weiterentwicklung der Anpassungspolitik in der Schweiz.
Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen in der Schweiz bereits heute spürbar: etwa durch zunehmende Hitzebelastung, häufigere Starkniederschläge, trockenere Sommer oder indirekte wirtschaftliche Auswirkungen.
Für das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat INFRAS den Aspekt der Vulnerabilität der Bevölkerung in der Schweiz gegenüber den verschiedenen Folgen des Klimawandels untersucht. Die Studie zeigt erstmals umfassend auf, wie sich klimatische Veränderungen auf unterschiedliche Lebensbereiche auswirken und weshalb bestimmte Menschen stärker betroffen sind als andere.
Vulnerabilität entsteht durch Kombination verschiedener Faktoren
Ob Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, hängt nicht nur davon ab, wo sie leben. Bedeutung haben auch ihre gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sowie ihre Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen anzupassen.
Die Studie untersucht Vulnerabilitäten in den fünf Lebensbereichen Gesundheit, persönliche Sicherheit, Wohnen, Arbeit und materielle Sicherheit. Dabei machen nicht einzelne Eigenschaften oder Faktoren Menschen per se vulnerabel. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenwirken verschiedener Merkmale und Lebensumstände.
Besonders relevant sind hohes oder tiefes Alter, begrenzte finanzielle Ressourcen, Behinderungen sowie soziale Isolation. Treffen mehrere dieser Faktoren zusammen, steigt das Risiko, von klimabedingten Belastungen besonders stark betroffen zu sein.
Vertiefung der Klima-Risikoanalyse
Die Studie wurde von INFRAS im Auftrag des BAFU erarbeitet und vertieft die bestehende Klima-Risikoanalyse für die Schweiz. Dazu kombinierte das Projektteam u.a. explorative Interviews mit Fachpersonen, Workshops mit Vertretenden aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sowie quantitative Analysen zu Vulnerabilitätsmerkmalen und klimatischen Expositionen.
Schutznetze gibt es, fangen aber nicht immer alle auf
Die Vulnerabilitäten gegenüber zunehmender Hitze und einem steigenden Gefahrenpotenzial durch Naturereignisse wie Hochwasser, Murgänge oder Rutschungen sind in der Schweiz besonders ausgeprägt.
Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die Schweiz über eine hohe strukturelle Resilienz verfügt. Ein gut ausgebauter Bevölkerungsschutz, hohe bauliche Standards, eine breite Versicherungsdeckung und ein leistungsfähiges Gesundheitssystem reduzieren die Auswirkungen vieler Klimarisiken. Dennoch laufen besonders vulnerable Personen Gefahr, durch diese Schutznetze hindurchzufallen.
Gesellschaftliche Entwicklungen können Risiken verstärken
Die Untersuchung macht deutlich, dass künftige gesellschaftliche Entwicklungen bestehende Vulnerabilitäten zusätzlich verstärken könnten: Die Alterung der Bevölkerung erhöht die Zahl potenziell vulnerabler Menschen. Die Urbanisierung führt dazu, dass mehr Menschen der städtischen Hitzebelastung ausgesetzt sind. Individualisierung, soziale Isolation und ein rückläufig wahrgenommener gesellschaftlicher Zusammenhalt können dazu beitragen, dass Unterstützungsnetze schwächer werden.
Weitere Informationen: