Eine Beeinträchtigung oder beispielsweise eine schwere Krankheit: Verletzlichkeit kann alle treffen. Was, wenn das Alter dazu kommt und das Risiko von Verletzlichkeit nochmals steigt? Für die Age-Stiftung hat INFRAS die fachliche Konzeption und Grundlagen zum aktuellen «Age-Dossier» erarbeitet, das sich dem Thema Alter und Vulnerabilität widmet.
Wie erleben Menschen das Älterwerden, wenn gesundheitliche, soziale oder ökonomische Belastungen den Alltag seit Jahren prägen oder plötzlich bestimmen? Das Age-Dossier 2026 der Age-Stiftung zeigt, dass Verletzlichkeit ein vielschichtiges Phänomen ist, das sich aus individuellen Lebensverläufen, strukturellen Rahmenbedingungen und begrenzten Unterstützungsangeboten ergibt.
Die Publikation spricht primär die Politik und eine interessierte Öffentlichkeit an. Sie will diese für das Thema Alter und Vulnerabilität sensibilisieren und darüber informieren. INFRAS war an der fachlichen Konzeption der Publikation beteiligt, hat Grundlagen erarbeitet und Fachbeiträge verfasst.
Verletzlichkeit hat viele Ursachen und Verläufe
Verletzlichkeit kann sowohl lebensbegleitend entstehen als auch durch plötzliche Einschnitte, wie das Age-Dossier mit Fachbeiträgen und Porträts von Betroffenen aufzeigt und veranschaulicht: seit Geburt oder bei der Pensionierung, beispielsweise durch eine Beeinträchtigung, Krankheiten, einen Unfall, Armut oder Sucht. Betroffene entwickeln häufig Fähigkeiten, die ihnen in ihrer Situation helfen.
« Mit einer bereits erhöhten Vulnerabilität verlangt der Übergang ins Alter noch einmal grosse Anpassungsfähigkeiten ab. »
Das Älterwerden birgt bei jedem Menschen das Risiko zu mehr Verletzlichkeit. «Bei Menschen mit einer bereits erhöhten Vulnerabilität verlangt der Übergang ins Alter noch einmal grosse Anpassungsfähigkeiten ab», sagt INFRAS-Bereichsleiterin Sarah Neukomm. Ihnen würden aber die im Verlauf des Lebens erworbenen Ressourcen und Handlungsstrategien hier wiederum entscheidend helfen, so Neukomm.
Unterstützungssysteme sind fragmentiert und komplex
INFRAS hat für das Age-Dossier u.a. festgehalten, auf welchen zentralen Pfeilern die Unterstützung verletzlicher Menschen beruht: von den gesetzlichen Rahmenbedingungen über Finanzierungsquellen und Versorgungsquellen bis hin zu sozialen und zivilgesellschaftlichen Strukturen und technischen Hilfsmitteln. Die Analyse zeigt auch die Komplexität und Grenzen des Versorgungssystems auf, und dass es zu «gestückelten» Leistungen aus unterschiedlichen Unterstützungssystemen und zu Versorgungslücken kommen kann.
Zwischenräume als gesellschaftliche Aufgabe
Die Age-Dossier zeigt auf, dass für viele Betroffene Angebote fehlen, die ein «Dazwischen» ermöglichen, einem Alltag zwischen möglichst viel Selbstständigkeit und umfassender Betreuung. Gesucht sind Strukturen, die abgestufte Übergänge ermöglichen und niemanden beim Älterwerden zurücklassen. Die Publikation unterstreicht, dass solche Massnahmen nicht nur vulnerablen Personen zugutekommen, sondern der gesamten Gesellschaft.
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