Trassenpreise in Deutschland

Trassenpreisreform: Was Grenz­kosten statt Voll­kosten bedeuten würden

14. Juli 2026

Das deutsche vollkostenbasierte Trassenpreissystem ist reformbedürftig. Ein Policy Paper von INFRAS im Auftrag von DIE GÜTERBAHNEN zeigt: Ein grenzkostenbasiertes System könnte die Schiene attraktiver machen, Verkehr verlagern und Emissionen senken.


Blick auf den Rangierbahnhof Maschen: Für den Betrieb und Erhalt der Bahninfrastruktur werden Trassenpreise erhoben. (Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang)
Blick auf den Rangierbahnhof Maschen: Für den Betrieb und Erhalt der Bahninfrastruktur werden Trassenpreise erhoben. (Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang)

Die Trassenpreise der DB InfraGO werden auf Basis der Vollkosten festgelegt und von der Bundesnetzagentur genehmigt. Das Vollkostenprinzip belastet die Wettbewerbsfähigkeit des Schienenverkehrs. Zudem widerspricht es dem europäischen Grundsatz, wonach sich Trassenentgelte primär an den unmittelbar durch den Zugbetrieb entstehenden Kosten orientieren sollen. Daher besteht Reformbedarf. Zwar sind Aufschläge zur Deckung weiterer Kosten zulässig, sie sollten jedoch so ausgestaltet sein, dass sie keine Marktsegmente von der Nutzung der Infrastruktur ausschliessen.

Grenzkostenmodell als Reformoption

Als Alternative zum Vollkostensystem steht das Grenzkostenprinzip zur Diskussion, das in Europa eigentlich üblich ist. INFRAS hat im Auftrag der GÜTERBAHNEN die Auswirkungen einer solchen Umstellung für Deutschland untersucht.

Im Kern sieht der Vorschlag vor, dass Eisenbahnverkehrsunternehmen künftig in erster Linie die direkt verursachten Kosten des Zugbetriebs tragen. Anstelle des heutigen Gewinnanspruchs des Infrastrukturbetreibers wird ein klar definierter Effizienzaufschlag eingeführt. Zudem sollen die Trassenpreise jeweils für einen Zeitraum von fünf Jahren im Voraus festgelegt werden.

Finanzierung weiterhin gesichert

Ein zentraler Aspekt der Reform ist die Frage der Finanzierung. Für die Bereitstellung des sogenannten Mindestzugangspakets wird für 2027 ein Mittelbedarf von rund 8 Milliarden Euro angenommen. Nach den Annahmen der Studie könnte dieser Betrag gedeckt werden, durch eine Kombination aus Trassenpreiseinnahmen, Bundeszuschüssen für Instandhaltung sowie durch die Umwidmung bestehender Förderinstrumente.

Unter diesen Voraussetzungen würde kein zusätzlicher Finanzierungsbedarf für den Bundeshaushalt entstehen, sofern die Mittel zielgerichtet eingesetzt werden und der Bund die Instandhaltungszuschüsse mindestens auf dem heutigen Niveau fortführt.

Mögliche Effekte für Verkehr und Umwelt

Die Studie hebt auch potenzielle gesamtwirtschaftliche Auswirkungen hervor. Niedrigere und verlässlich planbare Trassenpreise könnten die Wettbewerbsbedingungen der Schiene verbessern und Voraussetzungen für eine stärkere Verlagerung von Verkehr schaffen. Eine solche Entwicklung könnte sich unter anderem auf Umwelt- und Verkehrseffekte auswirken.

Für den Zeitraum von 2027 bis 2031 werden mögliche Einsparungen bei externen Kosten – etwa durch geringere Emissionen, weniger Luftschadstoffe und reduzierte Unfallkosten – in einer Grössenordnung von 4,7 bis 22,1 Milliarden Euro geschätzt.

Weitere Informationen:

Projektteam

Rebekka Heikkilä Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Maleika Wörner Senior Projektleiterin
Anne Greinus Geschäftsleiterin, Partnerin

Projekt

Grenzkostenbasiertes Trassenpreissystem – Zur Förderung wettbewerbsfähiger und planbarer Trassenpreise

Laufzeit

2026

Themen


Leistungen


Auftraggeber

DIE GÜTERBAHNEN

Downloads


Kontakt

Anne Greinus Geschäftsleiterin, Partnerin