Wissen wirkt! Wirkt es? Mit Auftraggeberinnen, Partnern und Ehemaligen hat INFRAS das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert und die Frage gestellt, was eigentlich die Rolle von Expert:innen in der Öffentlichkeit ist – und wie sie sich in Zeiten von Digitalisierung und KI gewandelt hat. Spannende Inputreferate und eine anregende Paneldiskussion waren Rahmen für ein schönes Geburtstagsfest.
50 Jahre nach der Gründung von INFRAS ist die Frage aktueller denn je: Wie findet belastbares Wissen den Weg in Politik, Verwaltung und Gesellschaft?
Inputreferate und eine Paneldiskussion beleuchteten aus verschiedenen Perspektiven die Frage, wie Expertise heute entsteht, wie sie vermittelt und genutzt wird, und welche Voraussetzungen es für eine gut informierte Öffentlichkeit braucht.
Gäste aus Wissenschaft und Politik:
In Inputreferaten wurden verschiedene Perspektiven auf das Thema «Expert:innenwissen im Wandel» aufgezeigt. Referent:innen waren:
- Silke Fürst, Kommunikationswissenschaftlerin UZH, Science Media Center Germany
- Petra Keller Guéguen, Stellvertretende Direktorin BFS
- Reto Knutti, Professor für Klimaphysik ETH Zürich
- Jürg Füssler, Geschäftsleitung INFRAS
In der anschliessenden Paneldiskussion wurde vertieft, was passiert, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse auf unterschiedliche Interessen und demokratische Aushandlung treffen. Es diskutierten neben Jürg Füssler:
- Corine Mauch, ehemalige Stadtpräsidentin Zürich
- Michael Hermann, Geschäftführer Sotomo
INFRAS-Mitgründerin Ursula Mauch war ebenfalls am Jubiläumsanlass im Landesmuseum in Zürich dabei, zusammen mit weiteren Ehemaligen im Publikum.
Sie beschrieb spontan, wie sie in Anfangszeiten des Unternehmens in ihrer anderen Rolle als Politikerin im Aargauischen Grossen Rat vergeblich versucht hatte, Gehör für die Themen der Nachhaltigen Entwicklung zu finden.
« Damals wissenschaftliche Erkenntnisse in ein politisches Gremium zu bringen, war für die Katz. »
Ein Ratskollege sei zudem sehr erstaunt gewesen, dass sie als Frau eine Grafik zum Energieverbrauch des Kantons habe erstellen können. So zeigte die Anekdote aus diesen Zeiten beispielhaft, wie sehr sich die Dinge geändert haben. Auch dank Pionierinnen wie Ursula Mauch.
Heute arbeiten Politik und weitere gesellschaftliche Akteure stark mit solchem Wissen und Wissensprodukten, interpretieren es – teils mit eigenem Framing – und stützen Entscheide darauf ab.
Verlässliche Informationen als Grundlage für Entscheidungen
Diese Bedeutung von Expertise für politische und gesellschaftliche Entscheidungen war ein wiederkehrendes Motiv in den Inputreferaten. Dabei wurden sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen thematisiert.
Die Referierenden zeigten auf, dass wissenschaftliche Erkenntnisse heute in einem zunehmend komplexen Informationsumfeld vermittelt werden müssen. So sind zum Beispiel die Menge von wissenschaftlichen Publikationen und das Output-Tempo enorm gestiegen, gleichzeitig gehen die Ressourcen im Wissenschaftsjournalismus zurück. Die Einordnung von Erkenntnissen und die Vermittlung an die Öffentlichkeit ist eine Herausforderung.
« Gute Wissenschaftskommunikation macht transparent, wenn es Unsicherheiten gibt. Dann haben wir belastbare Aussagen und wissen, wo wir weiteren Informationsbedarf haben. »
Gleichzeitig eröffnen neue Technologien – insbesondere Künstliche Intelligenz – Möglichkeiten, Wissen breiter zugänglich zu machen und unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen sowie Wissen gezielter zu finden. Die Diskussion machte deutlich, dass verlässliche Informationen eine zentrale Voraussetzung für sachorientierte Debatten und tragfähige Entscheidungen bleiben – den Sauerstoff für Demokratie bilden.
Was braucht eine informierte Demokratie?
Im Mittelpunkt der anschliessenden Paneldiskussion stand das Zusammenspiel von wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Interessen. Die Diskussion spannte den Bogen von konkreten politischen Erfahrungen über Veränderungen in der öffentlichen Debatte bis hin zu den zukünftigen Anforderungen an Beratung und Forschung.
« Entscheidend ist das Vertrauen. Wenn wir es haben, können wir zum Beispiel unseren Partnern auch Dinge sagen, die sie nicht gern hören. »
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Wissen seine Wirkung nicht automatisch entfaltet, sondern verständlich aufbereitet, eingeordnet und in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet werden muss. Und dass es häufig schlicht das richtige Timing braucht, damit aus Wissen Wirkung wird.
Video-Mitschnitt der Veranstaltung:
Die Inputreferate und einen Grossteil der Paneldiskussion können nachgeschaut werden. Sie finden das Video hier auf unserem Youtube-Kanal.