Circular Economy

Wie verschiedene Massnahmen die Kreislaufwirtschaft stärken könnten

9. Juni 2020

Rohstoffe effizient und möglichst lange nutzen: Das ist das Grundprinzip der Kreis­lauf­wirt­schaft. Für das Bundesamt für Umwelt hat INFRAS untersucht, wie ökologisch sinnvoll verschiedene Massnahmen zur Förderung der Kreis­lauf­wirt­schaft sind – und was sie der Schweizer Volkswirtschaft bringen.


Wie viele Jahre funktionieren die neue Waschmaschine und der neue Kühlschrank? Wie gut lassen sie sich reparieren? Müssten Infos wie diese auf Haushaltsgeräten verpflichtend deklariert werden, stärkt das die Kreislaufwirtschaft. (Foto: Keystone-SDA)
Wie viele Jahre funktionieren die neue Waschmaschine und der neue Kühlschrank? Wie gut lassen sie sich reparieren? Müssten Infos wie diese auf Haushaltsgeräten verpflichtend deklariert werden, stärkt das die Kreislaufwirtschaft. (Foto: Keystone-SDA)

Von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis hin zum Recycling: Das Prinzip der Kreis­lauf­wirt­schaft («Circular Economy») verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz (siehe Grafik weiter unten). Im Kern geht es darum, dass Rohstoffe immer wieder von neuem verwendet und Produkte länger genutzt werden können. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt hat INFRAS (Lead) zusammen mit Rytec Circular das ökologische und ökonomische Potenzial von fünf konkreten Massnahmen zur Förderung der Kreis­lauf­wirt­schaft vertieft analysiert. Das übergeordnete Fazit der Studie lautet: Jede dieser Massnahmen kann einen schwachen bis mittelgrossen Beitrag zur Kreis­lauf­wirt­schaft leisten. Für sich genommen sind die Wirkungen einzelner Massnahmen zwar begrenzt – zusammengenommen bieten sie aber durchaus einen Mehrwert.

Fünf Massnahmen im Fokus

Zu den vertieft analysierten Massnahmen zählen unter anderem Deklarationspflichten: Können Informationen auf Haushaltsgeräten KonsumentInnen dazu motivieren, umweltfreundlichere Produkte zu kaufen? Um dieser Frage nachzugehen, hat das Autorenteam verschiedene Deklarationsoptionen untersucht und kommt zu dem Schluss: Wenn Deklarationen – etwa zur Lebensdauer oder Reparaturfreundlichkeit – prominent auf den Produkten platziert werden, leicht verständlich sind und die KonsumentInnen den Daten vertrauen, stärkt das die Markttransparenz. Kaufen KonsumentInnen infolge dessen Produkte, die robuster gestaltet sind und besser repariert werden können, profitiert die Umwelt und in den vielen Fällen auch das Portemonnaie. Der Effekt würde umso stärker ausfallen, wenn solche Deklarationen auch beispielsweise in der Europäischen Union gefordert würden. Denn: Eine Deklarationspflicht verursacht für die Unternehmen respektive Händler zusätzlichen Kosten. Bei einer harmonisierten Lösung wären diese Kosten auf mehreren Schultern verteilt.

Ein weiteres Beispiel für eine mögliche Massnahme zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft ist die Förderung von nutzerbasierten Geschäftsmodellen: Die grundsätzliche Idee hierbei ist, dass ein Produkt nicht gekauft, sondern ein Service gemietet wird (z.B. gedruckte Seiten oder beleuchtete Fläche). Dadurch ändert sich der Anreiz für die Produzenten. Sie profitieren nicht mehr davon, möglichst viele Produkte zu verkaufen. Im Gegenteil ist es nun vorteilhaft, dass die Produkte möglichst lange halten und gut zu reparieren sind – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt fokussiert auf steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen ausgewählter Massnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Nutzungsphase. Sie liefert zudem umfassende methodische Grundlagen, um sich eine klarere Vorstellung vom Prinzip der Kreislaufwirtschaft zu verschaffen (siehe Grafik). Insgesamt 52 Massnahmen hat das Autorenteam identifiziert, beschrieben und grob analysiert. Fünf Massnahmen wurden vertieft untersucht, deren ökologisches Potenzial sowie die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die öffentliche Hand beurteilt. Davon haben sie für fünf Massnahmen das ökologische Potenzial sowie die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die öffentliche Hand vertieft untersucht. Diese fünf Massnahmen sind:

  • Mehrwertsteuerreduktion auf Reparaturleistungen
  • Deklarationspflichten für kreislaufwirtschaftsrelevante Parameter
  • Verlängerung der Gewährleistungsfrist inklusive Reparaturoption
  • Mehrwertsteuerreduktion bei nutzenbasierten Geschäftsmodellen mit ökologischem Nutzen
  • Registerlösungen zur Eigentumssicherung

Kreislaufwirtschaft in ganzheitlicher Sicht (Grafik: INFRAS/Rytec auf Basis Eurostat)
Kreislaufwirtschaft in ganzheitlicher Sicht (Grafik: INFRAS/Rytec auf Basis Eurostat)

Zum vollständigen Schlussbericht der Studie geht’s hier. Weitere Informationen zum Thema Kreislaufwirtschaft finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Umwelt.

Projektteam

Quirin Oberpriller Projektleiter
Rolf Iten Geschäftsleiter, Partner
Felix Weber Projektleiter

Projekt

Beurteilung von ausgewählten Massnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Nutzungsphase

Laufzeit

2018 - 2019

Themen


Auftraggeber

Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Downloads


Kontakt

Quirin Oberpriller Projektleiter