Der Umstieg auf Elektromobilität kommt voran, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Eine INFRAS-Studie für den Kanton Zürich zeigt zentrale Hemmnisse auf – von Ladeinfrastruktur über Kosten bis zu Informationsdefiziten. Zudem werden mögliche Massnahmen identifiziert und priorisiert.
Die Dekarbonisierung des Verkehrs ist ein zentraler Baustein zur Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Hochlauf der Elektromobilität hinter den Zielen des Bundes zurückbleibt: Im Jahr 2025 lag der Anteil der Steckerfahrzeuge an den Neuzulassungen von Personenwagen in der Schweiz bei knapp 34 Prozent statt der angestrebten 50 Prozent; im Kanton Zürich lag der Anteil bei rund 42 Prozent.
Vor diesem Hintergrund hat INFRAS für das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich untersucht, welche Faktoren den Umstieg bremsen und welche kantonalen Massnahmen diesen Hemmnissen entgegenwirken können.
Sieben zentrale Bereiche des Kauf- und Nutzungsprozesses
Die Studie zeigt, dass aus Sicht von potenziellen Käufer:innen Hemmnisse zum Umstieg auf ein E-Auto nicht isoliert auftreten, sondern entlang des gesamten Kauf- und Nutzungsprozesses wirken. Die Studie unterscheidet dafür zwischen sieben zentralen Bereichen:
- Batterie und Reichweite
- Ladeinfrastruktur und Ladeprozess
- Kosten und wirtschaftliche Aspekte
- Fahrzeugangebot und Occasionen-Markt
- Information und Vertrauen
- Lebensdauer und Unterhalt
- Ökologische Aspekte und gesellschaftliche Wahrnehmung
Die identifizierten Hemmnisse wurden entlang eines Kaufentscheidungsmodells sowie einer Customer Journey zum öffentlichen Laden systematisch eingeordnet.
Strukturelle, ökonomische und subjektive Hemmnisse
Der Zugang zu Ladeinfrastruktur im Wohnumfeld bleibt einer der zentralen Hebel für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität. Negative Erfahrungen beim öffentlichen Laden und beim Laden im Ausland können zudem über soziale Diffusion auf weitere potenzielle Käufer:innen wirken.
Auch wenn es sich dabei nur um einen Teil der Nutzungssituationen handelt, legt die Studie nahe, dass solche Erfahrungen über die unmittelbare Nutzung hinaus wirken. Hemnisse enstehen nicht nur durch objektive Faktoren wie Kosten oder Reichweite, sondern stark auch durch Wahrnehmungen, Unsicherheiten und fehlendes Vertrauen. Auch der Automobilhandel wirkt z.B. als zentraler Einflussfaktor, da Beratungskompetenz und Haltung von Verkäufer:innen den Entscheidungsprozess mitprägen können.
Mögliche Massnahmen des Kantons bewertet und priorisiert
Die Studie basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse, ergänzenden Auswertungen von Nutzererfahrungen sowie Experteninterviews.
Die Untersuchung unterstreicht, dass ein Bündel an Massnahmen erforderlich ist: Neben strukturellen Verbesserungen sind gezielte Informationsangebote und die Adressierung von Wahrnehmungen zentral. Empfohlen wird eine Priorisierung auf eine potenziell hohe Wirkung bei gleichzeitig hoher Umsetzbarkeit. Der Kanton kann dabei vor allem über Förderung, Information, Koordination und seine Vorbildfunktion wirksam ansetzen.