Klimaschutzabkommen: Kooperation verbessern, falsche Anreize vermeiden

1. November 2019

Das Pariser Übereinkommen ermöglicht den Vertragsstaaten mit Artikel 6, beim Klimaschutz zu kooperieren. Doch der Marktmechanismus kann auch falsche An­rei­ze setzen, etwa indem Länder sich selbst weniger ambitionierte Ziele setzen, um mehr Reduktionszertifikate verkaufen zu können. Mit einem internationalen Forschungsteam hat INFRAS vier Ansätze entwickelt, um dies zu vermeiden.


Photovoltaikanlagen in der Halbwüstenlandschaft Karoo in Südafrika. (Foto: Keystone-SDA)
Photovoltaikanlagen in der Halbwüstenlandschaft Karoo in Südafrika. (Foto: Keystone-SDA)

Das Pariser Übereinkommen ermöglicht es den Vertragsstaaten, beim Klimaschutz mit­einander zu kooperieren. Artikel 6 schafft Grundlagen dafür, dass die Länder zur Er­rei­chung ihrer national bestimmten Klimaschutzbeiträge (Nationally Determined Con­tri­bu­tions, NDC) zusammenarbeiten können. So kann ein Gastland («host country») Kli­ma­schutz­mass­nah­men umsetzen und die erreichten Minderungsmengen an ein Käu­fer­land («acquiring country») als Reduktionszertifikate verkaufen. Letzteres kann diese transferierten Emissionsreduktionen wiederum an seine eigenen Klimaschutzziele an­rech­nen.

Doch was als Instrument zur Ambitionssteigerung beabsichtigt ist, könnte mög­li­cher­wei­se falsche Anreize set­zen: Statt sich selbst anspruchsvollere Klimaschutzziele zu setzen, könnten einzelne Länder bestrebt sein, ihre Emissionseinsparungen zu mo­ne­ta­ri­sie­ren und sie an andere Vertragsstaaten zu verkaufen. Damit hätten Gastländer einen Anreiz, ihre eigenen Klimaschutzbeiträge (NDC) nicht regelmässig zu verstärken. Letzteres ist jedoch einer der Grundpfeiler der Umsetzung des Pariser Über­ein­kom­mens.

Im Auftrag der Schwedischen Energieagentur hat ein internationales Forschungsteam vier Ansätze entwickelt, die falsche Anreize unter Artikel 6 des Pariser Kli­ma­schutz­ab­kom­mens vermeiden und die Ambitionen der Vertragsstaaten erhöhen sollen. Der un­ter dem Lead von INFRAS erstellte Bericht gibt konkrete Empfehlungen, wie die vor­ge­schla­ge­nen Massnahmen umgesetzt werden könnten. Handlungsbedarf sehen die Au­torinnen und Autoren unter anderem mit Blick auf die

  • Käuferländer (acquiring countries): Für hochentwickelte Länder sind die Markt­me­cha­nis­men auch deshalb interessant, weil sie von verhältnismässig kostengünstigen Mass­nahmen zur Emissionsvermeidung in «host countries» profitieren können. Sie sollten über ambitionierte Inlandziele hinaus verstärkt dazu angehalten werden, in Gastländer mit ihrerseits robusten Zielen zu investieren.
  • Berichterstattung: Um die Ambitionen der Vertragsstaaten weiter zu steigern, sollte die Berichterstattung unter dem Abkommen von Paris gewisse Mindeststandards an Transparenz und Ausführlichkeit erreichen.
  • Regelungen zu den Marktmechanismen in Artikel 6: Die Autoren schlagen diverse Optionen zur Ausgestaltung und Umsetzung der Mechanismen vor, welche Gast­ländern helfen, ihr eigenes Ambitionsniveau zu halten und mit der Zeit zu steigern.
  • Gastländer (host countries): Weniger entwickelte Länder sollten mit Ressourcen und Capacity-building dabei un­ter­stützt werden, die Marktmechanismen umsichtig umzusetzen.

Auch wenn eine übergeordnete Umsetzung auf Ebene aller Vertragsstaaten wün­schens­wert wäre: Die meisten der entwickelten Ansätze dürften zunächst durch einzelne oder einen «Club» mehrerer gleichgesinnter Vertragsstaaten umgesetzt werden.

Hier finden Sie den vollständigen Bericht im Auftrag der Swedish Energy Agency, der auch als Informationsgrundlage für die Verhandlungspartner bei der UN-Kli­ma­kon­fe­renz im Dezember 2019 (COP 25) dienen soll. Weitere Arbeiten von INFRAS zu Ausgestaltungsmöglichkeiten im Rahmen von Artikel 6 finden Sie hier.

Article 6 in the Paris Agreement as an ambition mechanism - Options and recommendations


Auftraggeber

Swedish Energy Agency

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Kontakt

Jürg Füssler Geschäftsleiter, Partner
juerg.fuessler@infras.ch

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