Ökonomische Effekte Mobilität der Zukunft

Mobilität der Zukunft: Szena­rien und volks­wirt­schaft­liche Aus­wir­kungen

9. Juli 2026

Digitalisierung und Dekarbonisierung verändern die Mobilität – mit Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Ein INFRAS-Forschungsbericht im Auftrag des Bundesamts für Strassen zeigt mögliche Entwicklungspfade bis 2050 und ihre volkswirtschaftlichen Effekte: Chancen für Effizienz, Sicherheit und Wertschöpfung stehen Herausforderungen bei Infrastruktur, Regulierung und Beschäftigung gegenüber.


Zukunftsszenarien: Der Forschungsbericht untersucht insbesondere, welche Auswirkungen eine breite Nutzung geteilter und bedarfsorientierter Mobilitätsangebote haben würde. (Darstellung: Perchance AI)*
Zukunftsszenarien: Der Forschungsbericht untersucht insbesondere, welche Auswirkungen eine breite Nutzung geteilter und bedarfsorientierter Mobilitätsangebote haben würde. (Darstellung: Perchance AI)*

Die Mobilität in der Schweiz steht vor einem grundlegenden Wandel. Digitalisierung und Dekarbonisierung wirken als zentrale Treiber und verändern sowohl Technologien als auch Nutzungsverhalten im Verkehr. Automatisierung, Vernetzung und neue Sharing-Angebote treffen auf den Übergang zu elektrischen Antrieben.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts im Auftrag des Bundesamts für Strassen (ASTRA) hat INFRAS in Zusammenarbeit mit dem DLR mögliche Szenarien definiert sowie ihre volkswirtschaftlichen Auswirkungen bis 2050 abgeschätzt und systematisch eingeordnet.

Szenarien zeigen unterschiedliche Entwicklungspfade bis 2050
Zur Abschätzung der Wirkungen werden neben einem Referenzszenario, welches eine Fortsetzung heutiger Trends abbildet, drei Analyseszenarien modelliert. Die Szenarien bauen aufeinander auf und bilden mögliche Zukunftspfade ab:

  • Elektrifizierungsszenario: Der Strassenverkehr ist weitgehend elektrifiziert.
  • Technologieszenario: Die Elektrifizierung ist mit einem hohen Grad der Automatisierung und Vernetzung im Strassen- und Schienenverkehr kombiniert.
  • Mobility as a Service (MaaS)-Szenario: Die Elektrifizierung und Automatisierung sind mit einer breiten Nutzung geteilter und bedarfsorientierter Mobilitätsangebote verbunden.

Übersicht über Referenz- und Analyseszenarien. Die Ergebnisse der Analyseszenarien zeigen die Veränderungen gegenüber dem Referenzszenario. (Grafik: INFRAS)
Übersicht über Referenz- und Analyseszenarien. Die Ergebnisse der Analyseszenarien zeigen die Veränderungen gegenüber dem Referenzszenario. (Grafik: INFRAS)

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die verkehrlichen Effekte je nach Szenario deutlich unterscheiden: Im Elektrifizierungsszenario sind die verkehrlichen Wirkungen nur marginal, da der Elektrifizierungsgrad im Referenzszenario 2050 bereits hoch ist. Im Technologieszenario steigen etwa Verkehrsaufkommen und -leistung, insbesondere im motorisierten Individualverkehr. Im MaaS-Szenario verschiebt sich die Nachfrage hin zu neuen kollektiven Angebotsformen, während der private Individualverkehr an Bedeutung verliert.

Ökonomische Effekte variieren je nach Szenario

Auf mikroökonomischer Ebene entstehen in allen Szenarien zusätzliche Nutzen, insbesondere durch Effizienzgewinne, sinkende Betriebskosten und reduzierte Reisezeitkosten infolge der Automatisierung bzw. dem Wegfall des Selberfahrens. Gleichzeitig führen steigende Verkehrsleistungen oder Verkehrsverlagerungen teilweise zu höheren Umwelt- und Gesundheitskosten. Mit der Automatisierung sinken jedoch die Unfallkosten.

Integrierte Wirkungsanalyse über alle Ebenen

INFRAS entwickelte und kombinierte für die Studie ein umfassendes Wirkungsmodell, das verkehrliche Veränderungen mit ökonomischen Effekten verknüpft. Direkte und indirekte Effekte wurden systematisch quantifiziert. Die Verknüpfung von Kosten-Nutzen-Analysen mit Input-Output-Modellen erlaubt eine konsistente Betrachtung von mikro-, meso- und makroökonomischen Wirkungen. Gleichzeitig sind die empirischen Grundlagen begrenzt – die Studie macht deutlich, dass es sich um Szenarien und nicht um Prognosen handelt.

Auf makroökonomischer Ebene zeigen sich differenzierte Effekte: Im Elektrifizierungsszenario nimmt die Wertschöpfung leicht zu, während das Technologieszenario trotz Effizienzgewinnen mit Rückgängen bei Beschäftigung und Wertschöpfung verbunden ist. Das MaaS-Szenario weist die höchsten gesamtwirtschaftlichen Zusatznutzen auf, geht jedoch ebenfalls mit negativen Beschäftigungseffekten einher.

Mit frühzeitiger Ausrichtung negativen Effekten begegnen

Insgesamt deutet die Studie auf einen strukturellen Wandel hin, bei dem wissens- und technologieintensive Branchen an Bedeutung gewinnen, während arbeitsintensive Bereiche tendenziell zurückgehen. Um die Potenziale der Transformation auszuschöpfen und negative Beschäftigungseffekte abzufedern, sind Qualifizierungsmassnahmen und eine frühzeitige Ausrichtung von Aus- und Weiterbildung auf die neuen Anforderungen zentral.

Weitere Informationen:

* Das Bild wurde mit der KI-Anwendung Perchance AI erstellt. Dabei wurde folgender Prompt angewandt: «Mache mir ein Bild, fotorealistisch. Eine Stadtlandschaft von oben in der Schweiz im Jahr 2050. In der Mitte ein Kreisel. Verschiedene Verkehrsträger bewegen sich in der Stadt fort. Es geht um die Darstellung des Prinzips Mobility as a Service, also um das Zusammenspiel der Verkehrsträger bei der Nutzung.»

Projektteam

Rebekka Heikkilä Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Michel Zimmermann Senior Projektleiter
Anne Greinus Geschäftsleiterin, Partnerin

Projekt

Digitalisierte und dekarbonisierte Mobilität in der Schweiz – volkswirtschaftliche Potenziale möglicher Szenarien 2050

Laufzeit

2023 - 2026

Themen


Leistungen


Auftraggeber

Bundesamt für Strassen ASTRA

Kontakt

Anne Greinus Geschäftsleiterin, Partnerin