Für verschiedene Regionen der Schweiz entwickelt INFRAS Nachtnetzkonzepte für den öffentlichen Verkehr. Durch die abgestimmte Planung von Bahn- und Busangeboten entstehen vernetzte Nachtangebote, die eine attraktive Heimkehr ermöglichen und neue Reiseketten auch ausserhalb der Zentren schaffen.
Nachtangebote im öffentlichen Verkehr ermöglichen die Heimkehr aus Freizeit-, Kultur- und Gastronomiezentren auch nach Mitternacht. INFRAS hat in den vergangenen Jahren Nachtnetzkonzepte in der Ostschweiz und am Jurasüdfuss entwickelt. Die Arbeiten umfassen die Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden, angrenzende Gebiete im Thurgau und Vorarlberg sowie grosse Teile des Kantons Solothurn.
Ziel war es jeweils, bestehende Nachtangebote systematisch weiterzuentwickeln und aus einzelnen Linien vernetzte Nachtnetze zu schaffen, die Nachfrage, Erschliessung und Wirtschaftlichkeit gemeinsam berücksichtigen.
Nachtangebote sind Teil des Service Public
Nachtangebote dienen längst nicht mehr nur der Heimfahrt aus Bars, Clubs, Kinos oder Kulturveranstaltungen. Sie übernehmen zunehmend auch Funktionen für längere Reiseketten, etwa zu frühen Flugverbindungen ab Zürich oder Genf. Grundlage der Konzepte ist ein klarer Erschliessungsansatz: Grössere zusammenhängende Siedlungsgebiete sollen nach Möglichkeit auch in den späten Nachtstunden mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar bleiben. Im Vordergrund stehen dabei eine gute Erreichbarkeit, verständliche Angebotsstrukturen und attraktive Anschlüsse zwischen den Regionen.
Analysen machen Potenziale und Lücken sichtbar
INFRAS analysiert zu Beginn der Konzeptentwicklung die Nachfrage, Reisezeiten, Anschlüsse, Erschliessungsqualität und Wirtschaftlichkeit des bestehenden Angebots. Mit GIS-Analysen werden Siedlungsgebiete mit relevantem Nachfragepotenzial identifiziert und bestehende Erschliessungslücken sichtbar gemacht. Dadurch entsteht eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung des Angebots.
Gleichzeitig wird aufgezeigt, wo zusätzliche Verbindungen einen hohen Nutzen stiften, und wo bestehende Angebote oder Parallelerschliessungen kritisch hinterfragt werden sollten. Die Konzepte entstehen dabei in enger Zusammenarbeit mit Kantonen, Regionen und Transportunternehmen.
Aus Nachtbuslinien werden vernetzte Nachtnetze
Frühere Nachtangebote waren häufig auf die Rückfahrt aus den Zentren in die Wohngemeinden ausgerichtet. Viele Reiseketten funktionierten deshalb nur in eine Richtung. Die neuen Konzepte verfolgen einen umfassenderen Ansatz: Im Zentrum steht nicht mehr die einzelne Linie, sondern das Zusammenspiel aller Verkehrsmittel. Nachtzüge übernehmen die schnelle Groberschliessung zwischen regionalen Zentren, Busangebote sorgen für die Feinerschliessung der Wohngebiete. Über regionale Knoten werden die Angebote miteinander verknüpft, sodass möglichst durchgängige Reiseketten in beide Richtungen entstehen.
Das Monitoring zeigt eine deutlich höhere Nachfrage
Zur Weiterentwicklung von Nachtangeboten gehörte neben der Konzeption auch die Überprüfung der Wirkung. Mit dem Nachtnetz 2025 in den Regionen Wil, Toggenburg, St. Gallen, Appenzellerland und Rheintal liegen bereits erste Erfahrungen aus der Umsetzung vor. Das Monitoring des ersten Betriebsjahres zeigt eine deutliche Entwicklung: Die Nachfrage auf den Nachtzügen stieg um rund 50 Prozent, jene auf den Nachtbuslinien sogar um rund 75 Prozent. Gleichzeitig konnten zahlreiche Erschliessungslücken geschlossen und neue Reiseketten geschaffen werden. Besonders stark fiel das Wachstum dort aus, wo Angebote ausgebaut und Anschlüsse systematisch aufeinander abgestimmt wurden.
Weitere Informationen:
- Schlussbericht «Nachtnetz 202x – Region Zürichsee-Linth»
- Schlussbericht «ÖV-Nachtangebot am Jurasüdfuss»
- Schlussbericht «Monitoring Nachtnetz 2025 – Regionen Will, Toggenburg, St. Gallen, Appenzellerland und Rheinta»
- Präsentation «Monitoring Nachtnetz 2025 – Regionen Will, Toggenburg, St. Gallen, Appenzellerland und Rheintal»
- Kanton St. Gallen: Website zum Nachtnetz 2025