ÖV-Nachtangebote

Wie aus einzelnen Linien ein vernetztes Angebot entsteht

10. September 2026

Für verschiedene Regionen der Schweiz entwickelt INFRAS Nachtnetzkonzepte für den öffentlichen Verkehr. Durch die abgestimmte Planung von Bahn- und Busangeboten entstehen vernetzte Nachtangebote, die eine attraktive Heimkehr ermöglichen und neue Reiseketten auch ausserhalb der Zentren schaffen.


Nachtangebote funktionieren dann besonders gut, wenn Bahn- und Busverbindungen als Gesamtsystem aufeinander abgestimmt sind. (Foto: Raphael Grässli, INFRAS)
Nachtangebote funktionieren dann besonders gut, wenn Bahn- und Busverbindungen als Gesamtsystem aufeinander abgestimmt sind. (Foto: Raphael Grässli, INFRAS)

Nachtangebote im öffentlichen Verkehr ermöglichen die Heimkehr aus Freizeit-, Kultur- und Gastronomiezentren auch nach Mitternacht. INFRAS hat in den vergangenen Jahren Nachtnetzkonzepte in der Ostschweiz und am Jurasüdfuss entwickelt. Die Arbeiten umfassen die Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden, angrenzende Gebiete im Thurgau und Vorarlberg sowie grosse Teile des Kantons Solothurn.

Ziel war es jeweils, bestehende Nachtangebote systematisch weiterzuentwickeln und aus einzelnen Linien vernetzte Nachtnetze zu schaffen, die Nachfrage, Erschliessung und Wirtschaftlichkeit gemeinsam berücksichtigen.

Nachtangebote sind Teil des Service Public

Nachtangebote dienen längst nicht mehr nur der Heimfahrt aus Bars, Clubs, Kinos oder Kulturveranstaltungen. Sie übernehmen zunehmend auch Funktionen für längere Reiseketten, etwa zu frühen Flugverbindungen ab Zürich oder Genf. Grundlage der Konzepte ist ein klarer Erschliessungsansatz: Grössere zusammenhängende Siedlungsgebiete sollen nach Möglichkeit auch in den späten Nachtstunden mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar bleiben. Im Vordergrund stehen dabei eine gute Erreichbarkeit, verständliche Angebotsstrukturen und attraktive Anschlüsse zwischen den Regionen.

Analysen machen Potenziale und Lücken sichtbar

INFRAS analysiert zu Beginn der Konzeptentwicklung die Nachfrage, Reisezeiten, Anschlüsse, Erschliessungsqualität und Wirtschaftlichkeit des bestehenden Angebots. Mit GIS-Analysen werden Siedlungsgebiete mit relevantem Nachfragepotenzial identifiziert und bestehende Erschliessungslücken sichtbar gemacht. Dadurch entsteht eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung des Angebots.


Beispiel Region Zürichsee-Linth: Die Analyse zeigt Siedlungsgebiete und hält das Erschliessungspotenzial fest. (Grafik: INFRAS; Quelle Karte: Swisstopo)
Beispiel Region Zürichsee-Linth: Die Analyse zeigt Siedlungsgebiete und hält das Erschliessungspotenzial fest. (Grafik: INFRAS; Quelle Karte: Swisstopo)

Gleichzeitig wird aufgezeigt, wo zusätzliche Verbindungen einen hohen Nutzen stiften, und wo bestehende Angebote oder Parallelerschliessungen kritisch hinterfragt werden sollten. Die Konzepte entstehen dabei in enger Zusammenarbeit mit Kantonen, Regionen und Transportunternehmen.

Aus Nachtbuslinien werden vernetzte Nachtnetze

Frühere Nachtangebote waren häufig auf die Rückfahrt aus den Zentren in die Wohngemeinden ausgerichtet. Viele Reiseketten funktionierten deshalb nur in eine Richtung. Die neuen Konzepte verfolgen einen umfassenderen Ansatz: Im Zentrum steht nicht mehr die einzelne Linie, sondern das Zusammenspiel aller Verkehrsmittel. Nachtzüge übernehmen die schnelle Groberschliessung zwischen regionalen Zentren, Busangebote sorgen für die Feinerschliessung der Wohngebiete. Über regionale Knoten werden die Angebote miteinander verknüpft, sodass möglichst durchgängige Reiseketten in beide Richtungen entstehen.

Das Monitoring zeigt eine deutlich höhere Nachfrage

Zur Weiterentwicklung von Nachtangeboten gehörte neben der Konzeption auch die Überprüfung der Wirkung. Mit dem Nachtnetz 2025 in den Regionen Wil, Toggenburg, St. Gallen, Appenzellerland und Rheintal liegen bereits erste Erfahrungen aus der Umsetzung vor. Das Monitoring des ersten Betriebsjahres zeigt eine deutliche Entwicklung: Die Nachfrage auf den Nachtzügen stieg um rund 50 Prozent, jene auf den Nachtbuslinien sogar um rund 75 Prozent. Gleichzeitig konnten zahlreiche Erschliessungslücken geschlossen und neue Reiseketten geschaffen werden. Besonders stark fiel das Wachstum dort aus, wo Angebote ausgebaut und Anschlüsse systematisch aufeinander abgestimmt wurden.

Weitere Informationen:

Projektteam

Raphael Grässli Wissenschaftlicher Berater
Sandro Tanner Wissenschaftlicher Berater
Alina Erismann Werkstudentin
Matthias Lebküchner Freier wissenschaftlicher Mitarbeiter

Projekt

Angebotskonzepte und Monitoring für Nachtangebote des öffentlichen Verkehrs verschiedener Regionen

Laufzeit

2023 - 2026

Themen


Leistungen


Auftraggeber

Kanton St. Gallen, Kanton Appenzell Ausserrhoden, Kanton Thurgau, Kanton Solothurn

Downloads


Kontakt

Oliver Frei Bereichsleiter, Partner