Interview mit Matthias Lebküchner

«Ob Fahrplan oder Tramlinie: am Schluss war meist etwas Konkretes da»

Der Zufall hat ihn zu INFRAS gebracht – nun ist er seit über 37 Jahren dabei: Matthias Lebküchner. Im Interview blickt Matthias auf seine Highlights als Verkehrsplaner zurück, auf die Gründerzeit von INFRAS und sagt, was sich in all den Jahren verändert hat.  

Anfang 1989 trat Matthias «Läbi» Lebküchner seine Stelle bei INFRAS an. Er ist damit der dienstälteste INFRAS-Mitarbeitende. Als Bereichsleiter Verkehrsplanung hat er in der ganzen Schweiz zahlreiche Verkehrskonzepte sowie konkrete Bus- und Tramlinien angedacht und mitentwickelt. In einem Interview blicken wir mit Matthias auf seine Zeit bei INFRAS zurück.

Matthias, wie und warum bist du damals zu Infras gekommen?

Das war eigentlich Zufall. Am Ende meines Studiums wollte ich etwas arbeiten und dann später reisen. Ich kannte die INFRAS-Mitgründer Samuel und Ursula Mauch, weil ich bereits mit ihrem Sohn befreundet war. Sie haben einen Verkehrsingenieur gesucht – und ich habe mich gemeldet.

Du hast die INFRAS-Gründergeneration erlebt. Wie hast du den Gründergeist erlebt, hast du da eine Anekdote?

Stark in Erinnerung geblieben ist mir ein Erlebnis mit Sämi Mauch an einem Weihnachtsessen. Wir waren auf dem Üetliberg, es hat geschneit. Wir wollten nach dem Essen runterschlitteln. Sämi war der Erste, er hat den Schlitten genommen – und ist in die dunkle Nacht den Üetliberg hinuntergerast. So mutig wie Sämi geschlittelt ist, so mutig hat er sich auch an neue Themen gemacht, gerade im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit.

50 Jahre INFRAS

1976 haben Samuel Mauch, Ursula Mauch und Elmar Ledergerber die Beratungsgemeinschaft infras gegründet. Mehr zur Geschichte von INFRAS und zu den Themen, zu denen INFRAS gearbeitet hat, finden Sie in unserem interaktiven Zeitstrahl. 2025 ist Mitgründer Sämi Mauch verstorben. Einen Nachruf lesen Sie hier

Kommen wir zu dir. 1989 bis 2026 – das ist eine lange Zeit bei INFRAS.

Es ist eigentlich verrückt, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Jahre das sind. Mir wurde nie langweilig, es hat mir immer gefallen. Es gab viel Veränderung: die Leute, die Themen, wir haben die Büros gewechselt, die Computer haben sich entwickelt. Ich hatte nie das Gefühl, ich mache das Gleiche. Das ist vermutlich ein Grund, weshalb ich so lange hier war.

Der Mensch braucht Veränderung, aber Veränderung kann man auf zwei Arten haben: Man kann ständig selber etwas anderes machen – oder man kann einfach bleiben. In beiden Fällen ändert sich das Umfeld.

Hast du ein Highlight aus deiner INFRAS-Zeit?

Ein Auftritt im Zürcher Jazz-Club Moods. Ich habe dort aber nicht musiziert – ich durfte als Projektleiter die Netzentwicklungsstrategie der VBZ vorstellen. Ich trug dafür sogar eine Krawatte, eines der wenigen Male.

Mit der VBZ-Netzentwicklung hast du am Tram- und Bus-Netz von Zürich mitgearbeitet. Du fährst mit den Linien, die du damals mitentwickelt hattest. Das ist ein spezielles Gefühl?

Ja, das ist das Schöne, an dem, was ich in den letzten Jahren gemacht habe. Am Schluss war meistens etwas Konkretes da – ein Eintrag im Fahrplan oder du kannst draussen mit einer selbst geplanten Linie fahren. Aus dieser Liniennetzentwicklungsstrategie kam zum Beispiel das Hardbrücke-Tram heraus. Heute kannst du bei der S-Bahn-Station Hardbrücke aufs Tram umsteigen und zum Beispiel zum Stauffacher oder an den See fahren.

Gehen wir nochmals zurück zu INFRAS. Wie hat sich INFRAS verändert?

Zum einen bin ich älter geworden, die neuen Leute sind immer jünger geworden. Es gibt aber vor allem eine Konstante: Nämlich den sogenannten INFRAS-Groove, den ich immer sehr geschätzt habe. Es war immer ein sehr angenehmes Arbeitsklima – eine grosse Familie. Das sieht man am Mittagstisch, am Töggelikasten, vor allem auch an den Festen.

Nochmals eine Zeitreise ins Jahr 1989: Würdest du dem 24-jährigen Läbi einen Ratschlag geben, wenn er bei INFRAS zum ersten Mal ins Büro geht?

Dazumals hätte ich ihm vielleicht einen gegeben. Heute bin ich zum Schluss gekommen, dass Ratschläge – wie es der Name sagt: Schläge – wahrscheinlich nicht das Richtige sind.

Mehr im ausführlichen Interview: Das vorliegende Video und das schriftliche Interview sind eine gekürzte Version eines längeren Gesprächs mit Matthias Lebküchner. Das komplette Video zum Gespräch finden Sie hier. Darin erzählt Matthias z.B. mehr aus der Gründerzeit und blickt nach vorne.  

Verkehrsplanung bei INFRAS

Matthias Lebküchner hat die Verkehrsplanung bei INFRAS am Standort Zürich über viele Jahre geprägt. Nach 37 Jahren tritt er kürzer und gibt Verantwortung ab. Der Stabwechsel zu seinem Nachfolger Oliver Frei als Bereichsleiter wurde bereits vor einiger Zeit in Gang gesetzt. Matthias wird seine Erfahrung weiterhin in Projekten einfliessen lassen.

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Matthias Lebküchner Freier wissenschaftlicher Mitarbeiter