Gesellschaftliche Dynamiken und klimatische Herausforderungen sind eng miteinander verknüpft. Das halten zwei Analysen für den Bund fest, die INFRAS zu Gouvernanz und Geschlechtergleichstellung erstellt hat. Die Auslegeordnungen zeigen, welche Implikationen sich daraus für die Entwicklungszusammenarbeit ergeben.
Klimawandel, Naturgefahren und Umweltveränderungen (C/D/E für die englischen Begriffe Climate Change, Disaster Risks und Environment) können nicht isoliert betrachtet werden: Sie stehen in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen. C/D/E-Risiken haben das Potenzial, bestehende Ungleichheiten zu verschärfen und die Gouvernanzstrukturen eines Staates unter Druck zu setzen. Diese Strukturen wiederum beeinflussen, wie Staaten, Institutionen und soziale Gruppen auf C/D/E‐Risiken reagieren (können). Gleichzeitig prägen Gouvernanz‐Systeme und Geschlechterverhältnisse die Wirksamkeit politischer Massnahmen und die Fähigkeit, langfristige Entwicklungsgewinne zu sichern.
Im Rahmen des Unterstützungsmandats für das Netzwerk Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat INFRAS zwei thematische Auslegeordnungen erarbeitet, um diese Wechselwirkungen aufzuzeigen und Empfehlungen für die Entwicklungszusammenarbeit herzuleiten. Eine Analyse beschäftigt sich mit den Zusammenhängen von Governance und Klima- und Umweltpolitik, der andere mit den Wechselwirkungen von C/D/E-Risiken und dem Thema Gleichstellung.
Gute Governance als Voraussetzung und Verstärker
Transparente und inklusive, sogenannte «Good Governance»-Systeme sind entscheidend, um C/D/E-Risiken zu bewältigen und widersprüchliche Interessen auszubalancieren, wie die Analyse zu Gouvernanz zeigt. Fragile Institutionen, Korruptionsrisiken und fehlende Koordination erschweren hingegen die Wirksamkeit von Massnahmen.
Die Auslegeordnung verdeutlicht zudem, dass C/D/E‐Herausforderungen politische Stabilität unter Druck setzen können, insbesondere wenn diese Herausforderungen auf Ressourcenknappheit und bestehende Krisen treffen. «Good Governance» wirkt damit sowohl als Voraussetzung wie auch als Verstärker effektiver Klimapolitik.
Geschlechterungleichheit: Spezifisches Wissen bleibt oft ungenutzt
Die Auslegeordnung zur Geschlechtergleichstellung zeigt, dass Frauen und Mädchen in vielen Kontexten stärker von klimabedingten Risiken betroffen sind – sowohl hinsichtlich Gesundheit, ökonomischer Resilienz als auch Sicherheit. Gleichzeitig verfügen viele Frauen über spezifisches Wissen zu natürlichen Ressourcen und lokaler Risikovorsorge. Häufig bleibt dieses jedoch ungenutzt.
Höhere Geschlechtergleichstellung verbessert nachweislich die Wirksamkeit der Klima- und Umweltpolitik, stärkt die Anpassungsfähigkeit und führt zu inklusiveren Entscheidungsprozessen – letzteres weist wiederum einen direkten Bezug zur Thematik der guten Governance auf.
Gemeinsame Folgerung: C/D/E‐Massnahmen brauchen soziale Einbettung
«Beide Auslegeordnungen unterstreichen, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen, um wirksamen Klima- und Umweltschutz zu betreiben», sagt INFRAS-Studienautorin Nora Schmidlin. «Es wird deutlich, dass Massnahmen zum Klima- und Umweltschutz immer auch gesellschaftliche Implikationen haben.». Umgekehrt ist es auch aus Gouvernanz- und Gleichstellungsperspektive sinnvoll, in der Entwicklungszusammenarbeit die C/D/E-Themen stets mitzudenken.
Die Wirksamkeit von Massnahmen hänge wesentlich davon ab, wie Machtstrukturen, Rollenbilder, Beteiligungschancen und institutionelle Rahmenbedingungen ausgestaltet sind, so Schmidlin. Das sei auch eine wertvolle Orientierung für Programme der Entwicklungszusammarbeit, die C/D/E‐Risiken wirkungsvoll adressieren und gleichzeitig gesellschaftliche Resilienz stärken wollen.
Die Analysen zum Download:
Weitere Informationen:
INFRAS hat die Auslegeordnungen im Rahmen des Unterstützungsmandats für das Netzwerk Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) erarbeitet (mehr Infos zum Unterstützungsmandat hier).Das Netzwerk unterstützt die Einheiten, Mitarbeitenden und Partner der DEZA dabei, C/D/E-Themen in die Entwicklungszusammenarbeit stärker zu berücksichtigen, indem es u.a. den Erfahrungsaustausch fördert und bewährte Praktiken verbreitet. Ziel ist dabei auch, Wissen international zugänglich zu machen (mehr Informationen auch via weADAPT.)