Klimaschutz

Negativ­emissions­technologien und Emissions­zertifikate: Optionen für die Stadt und den Kanton Zürich

5. Oktober 2020

Um ihre Klimaschutzziele zu erreichen, können für Gemeinden und Kantone künftig auch Negativemissionstechnologien sowie der Handel mit internationalen Emissionszertifikaten infrage kommen. Wo liegt ihr Potenzial und wie sinnvoll sind diese Instrumente für die Stadt und den Kanton Zürich auf dem Weg zu Netto-Null Emissionen?


Negativemissionstechnologien und Handel mit Emissionszertifikaten: Wie aussichtsreich sind diese Instrumente für die Stadt und den Kanton Zürich um ihre Klimaschutzziele im Zusammenhang mit den Netto-Null Ambitionen des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen? (Foto: Keystone-SDA)
Negativemissionstechnologien und Handel mit Emissionszertifikaten: Wie aussichtsreich sind diese Instrumente für die Stadt und den Kanton Zürich um ihre Klimaschutzziele im Zusammenhang mit den Netto-Null Ambitionen des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen? (Foto: Keystone-SDA)

In laufenden Mandaten unterstützt INFRAS die Stadt und den Kanton Zürich bei klimastrategischen Arbeiten. Als eine der Grundlagen für die langfristige Klimastrategie des Kantons und die Szenarien zu Netto-Null-Treibhausgasemissionen der Stadt hat INFRAS zusammen mit Perspectives Climate Group analysiert, inwiefern für beide Akteure Negativemissionstechnologien und der Handel mit internationalen Treibhausgas-Zertifikaten sinnvoll sein könnten. Der Bericht erörtert, mit welchen Potenzialen, Kosten und möglichen Handlungsoptionen kurz- und mittelfristig zu rechnen ist.

Rolle von Treibhausgas-Senken

Welche Negativemissionstechnologien – also technische oder biologische Ansätze zur CO2-Entfernung aus der Atmosphäre (kurz: NETs) – kommen für die Stadt und den Kanton Zürich infrage? Das hat Perspectives Climate Group im ersten Teil der Studie untersucht. Dazu haben die AutorInnen sechs Ansätze beleuchtet, die in der Region Zürich realistischerweise umgesetzt werden könnten: NETs im Forstsektor, Moorschutz und Wiedervernässung, NETs in der Landwirtschaft, beschleunigte Verwitterung, Biomasseverwertung mit CCS (engl.: Carbon Capture and Storage) sowie direktes «CO2-Einfangen» und CCS (DACCS). Dabei schliessen die AutorInnen, dass die technische Abscheidung und geologische Speicherung im Rahmen der Abfallverwertung und der Biomasse-Energieproduktion für Strom und Fernwärme die grössten Potenziale in Zürich auf städtischer und kantonaler Ebene bergen. Die vorhandenen Potenziale sind aber im Umfang sehr beschränkt und reichen bestenfalls aus um einen geringen Anteil der heutigen CO2-Emissionen zu eliminieren. An einer starken Verminderung der lokalen Emissionen führt damit kein Weg vorbei.

Rolle des Handels mit Treibhausgas-Zertifikaten

Im zweiten Teil des Berichts analysiert INFRAS, welche Optionen sich für die Stadt und den Kanton Zürich durch den Handel mit internationalen Treibhaus-Zertifikaten bieten. Hintergrund: Mit den Artikeln 6.2 und 6.4 des Pariser Klimaschutzabkommens besteht die Möglichkeit, dass dieses Instrument auch für den Kanton oder die Stadt Zürich auf dem Weg zu «Netto-Null» eine Rolle spielen könnte. Die Analyse zeigt, dass dieses neue Instrument mit beträchtlichen Schwierigkeiten bezüglich des Nachweises der «Additionalität» (Zusätzlichkeit) und der Umweltintegrität, sowie oft mit fehlenden institutionellen Ressourcen in den Gastländern zur Umsetzung der Marktmechanismen zu kämpfen hat. Da mit dem Abkommen von Paris nun alle Länder ihre eigenen Klimaziele definiert haben und eine rasche globale Dekarbonisierung angestrebt wird, dürfte der internationale Handel mit Zertifikaten nur eine vorübergehende Option darstellen. Modellierungen lassen erkennen, dass sich die spezifischen Verminderungskosten in den Ländern ab dem Jahr 2030 angleichen dürften, da alle Länder eigene Minderungsleistungen erreichen wollen, womit der Handel seinen Nutzen einbüsst.

Weitere Informationen zur Studie und zum Thema

Exkurs: Grundlagenbericht zu «Netto-Null Treibhausgasemissionen in der Stadt Zürich

Wie kann Zürich möglichst bald klimaneutral werden? Im Auftrag der Stadt hat INFRAS gemeinsam mit Quantis Massnahmen und Kosten für das Erreichen des Netto-Null-Ziels analysiert. Der im Oktober 2020 erschienene Grundlagenbericht «Netto-Null Treibhausgasemissionen Stadt Zürich» untersucht die städtischen Treibhausgasemissionen, erörtert notwendige Massnahmen und berechnet die damit verbundenen Kosten. Im Fokus stehen verschiedene Szenarien mit den Zieljahren 2030, 2040 und 2050. Die komplette Studie und weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Projektteam

Jürg Füssler Geschäftsleiter, Partner
Stefan Kessler Bereichsleiter, Partner

Projekt

Negative Emissionen und Treibhausgas-Zertifikatehandel

Laufzeit

2019

Themen


Leistungen


Auftraggeber

Kanton Zürich und Stadt Zürich

Kontakt

Jürg Füssler Geschäftsleiter, Partner