Wie sieht die Schweiz im Jahr 2100 aus? Wie werden sich die Treibhausgasemissionen in diesen 70 Jahren entwickeln? Ein Forschungsprojekt des Bundes zeigt mögliche sozioökonomische und politische Entwicklungen auf – und modelliert unter Leitung von INFRAS den möglichen Treibhausgasausstoss.
Wie sieht die Schweiz am Ende des 21. Jahrhunderts aus? Wie könnte sich das Leben in der Schweiz sozial, wirtschaftlich und politisch entwickeln? Welche Entwicklung der Treibhausgasemissionen und der Landnutzung resultiert daraus? Das Forschungsprojekt «Sozioökonomische Szenarien» des National Centre for Climate Services (NCCS) des Bundes hat sich unter Leitung von INFRAS diesen Fragen gewidmet. Projektpartner waren die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Prognos und Zoï Environment Network.
Unterschiedliche Zukünfte – verschiedene Formen des Zusammenlebens
Das Projekt liefert mit Bezug auf den Klimawandel sozioökonomische und klimapolitische Szenarien für eine Schweiz bis Ende dieses Jahrhunderts. Sie zeigen verschiedene mögliche Entwicklungspfade auf. Die fünf sozioökonomischen Szenarien (SSP-CH) sind:
- Zukunft einer Gesellschaft, der Zusammenhalt und Wohlbefinden wichtiger sind als wirtschaftlicher Erfolg und finanzieller Wohlstand.
- Zukunft mit einer hoch technologisierten Wirtschaft und Gesellschaft, basierend auf erneuerbaren Energien
- Zukunft, in dem Staat und Wirtschaft schwach sind und die Gesellschaft zerfällt
- Zukunft mit einer tief geteilten Gesellschaft, in der eine kleine Elite einer verarmten Bevölkerung gegenübersteht
- Zukunft einer Schweiz, die lange auf fossile Energie gesetzt hat und gegen Ende des Jahrhunderts mit den Auswirkungen schwankender und hoher Energiepreise sowie den Kosten einer stark degradierten Umwelt kämpft
Szenarien als Grundlage für langfristige Entscheidungen
Die Szenarien erlauben es, das Thema aus sozioökonomischer Sicht ganzheitlich zu betrachten. Es wird eine grosse Bandbreite von Bereichen betrachtet, wie z.B. die innere Sicherheit, Mobilität und Raumentwicklung oder das Erziehungswesen.
Weiter geht es um Fragen wie: Welche aktuellen Politiken relevanter Sektoren bringen die Gesellschaft tendenziell auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad und welche Politiken verhindern dies tendenziell? Und: Welche unterschiedlichen Politiken zum Klimaschutz sind in den verschiedenen Szenarien denkbar und wirksam? Die Szenarien liefern Grundlagen für langfristige strategische Entscheidungen, Risikoanalysen und umweltbezogene Modellierungen.
Modellierung der Emissionen als Teil des Projekts
INFRAS formulierte für die Untersuchung verschiedene Pakete klimapolitischer Instrumente (SPA), die unterschiedlich stark eingreifen. Zudem hat INFRAS zusammen mit der Projektpartnerin Prognos AG modelliert, wie sich der Treibhausgasausstoss und die Landnutzung in der Schweiz bis 2100 je nach Szenario entwickeln könnte.
Brücke zwischen Wissenschaft und konkreten Massnahmen
Das Projekt «Sozioökonomische Szenarien für die Schweiz» ist eines von insgesamt sechs miteinander vernetzten Projekten des NCCS-Programms «Entscheidungsgrundlagen zum Umgang mit dem Klimawandel in der Schweiz: Informationen zu sektorübergreifenden Themen» («NCCS-Impacts»). Im Bereich des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel schliesst das Programm eine Lücke zwischen wissenschaftlichen Grundlagen und konkreten Massnahmen.
Weitere Informationen:
- Zusammenfassung
- Ausführlicher Bericht zu den Grundlagen
- Ausführliche Beschreibung der Szenarien
- Ausführlicher technischer Bericht zur Modellierung
- Pakete klimapolitischer Instrumente (SPA) (in Englisch)
- Projekt-Website «Sozioökonomische Szenarien für die Schweiz»
- Details zum Programm «NCCS-Impacts»
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